Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Projekt ActNow II

Unternehmerische Kenntnisse und Kompetenzen sind nicht nur in einer selbständigen Tätigkeit wichtig, sondern können auch andere berufliche Perspektiven eröffnen. Das Projekt ActNow freut sich auf Menschen mit Migrationsgeschichte aus ganz Nordrhein-Westfalen, die gern eine Geschäfts- oder Projektidee entwickeln möchten.

Was bietet ActNow in 2020

Das Projekt richtet sich an verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen beruflichen Zielen. In den meisten Fällen kommen jedoch Teilnehmende mit unternehmerischen Erfahrungen und einer sehr konkreten Gründungsabsicht. Hier geht es um die Hilfestellung zur Erstellung des Businessplans. Obwohl viele Teilnehmende langjährige Erfahrungen und fundierte Kompetenzen als Unternehmerin oder als Unternehmer haben, sehr gut Deutsch sprechen und sich mit verschiedenen Mitteln intensiv mit ihrem Vorhaben und ihren Marktchancen befassen, fällt es ihnen noch schwer, das „System Deutschland“ so zu verstehen, dass sie ihren Weg ohne Unsicherheiten gehen können. Hier kommt dem Empowerment eine wichtige Bedeutung zu.

Bei ActNow geht es um mehr als um die nüchterne Vermittlung von Wissen. In interaktiven Workshops lernen die Teilnehmenden ihre Stärken kennen, sie gewinnen an Selbstbewusstsein und entdecken alte Träume und Ziele wieder. Meist gibt es mehr Möglichkeiten als die Teilnehmenden denken. Ob es eine Kombination aus Job, Sprachkurs, Fortbildung und Vorbereitung auf eine spätere Selbständigkeit ist. Oder ob jemand erst einer Beschäftigung nachgeht, um in wenigen Jahren den Betrieb als Nachfolger*in zu übernehmen - hier ist vieles möglich.

Laurence in ihrem Beauty Salon in Düsseldorf. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2019

Laurence Fifatin in ihrem Beauty Salon in Düsseldorf. Ehemalige Teilnehmende von ActNow und erfolgreiche Gründerin

Auswirkungen von Corona auf das Projekt ActNow in 2020

Die vergangenen Monate hatten enorme und unvorhersehbare Auswirkungen auf das Projekt ActNow. Zahlreiche Aktivitäten konnten nicht planmäßig durchgeführt werden, sei es aufgrund von Veranstaltungsabsagen, Reisebeschränkungen, geänderter Priorisierung der Zielgruppe oder eingeschränkter Erreichbarkeit der Arbeitsmarktakteur*innen. Als Projekt haben wir darauf reagiert und uns an den Fragen der Menschen orientiert, die sich im Verfahren zur Anerkennung, in Anpassungsqualifizierungen oder anderen Bildungsmaßnahmen befanden. Die Qualifizierungsangebote wurden auf virtuelle Lernformate in Form von Online-Seminaren umgestellt. Diese Arbeit hat es ermöglicht das Angebot des Projekts einer größeren Gruppe zur Verfügung zu stellen.

Momentan herrscht ein großer Bedarf an Beratungen, Einzelqualifizierungen und Gruppenqualifizierungen für migrantische Unternehmer*innen, (Solo)Selbstständige, aber auch Arbeitnehmer*innen, die durch die Folgen des Coronavirus in eine Krise geraten sind. Der Bedarf wurde von Seiten bestehender Institutionen (Jobcenter/Arbeitsagenturen) und von migrantischen Unternehmer*innen selbst an das Projekt ActNow herangetragen. Es fehlt an Beratungen und Qualifizierungen, die:

  • sprachsensibel, mehrsprachig, kultursensibel und migrationsspezifisch beraten  
  • Flexible Angebote aus Einzel- und Gruppenqualifizierung bieten 
  • Zeitliche Flexibilität und damit Vereinbarkeit mit Arbeitsgelegenheiten, Kinderbetreuung bieten 
  • zielgruppenadäquate weiterbildungsbegleitende Hilfen im Angebot integrieren  
  • Neutralität und vertraute Atmosphäre (bei „Behördenangst“ gegeben) bieten 

Die Natürlich ist der Weg in den Arbeitsmarkt und in die Selbständigkeit durch die Folgen der Coronakrise nicht einfacher geworden. Es gibt viele Hürden, Unsicherheiten, Stolpersteine und offene Fragen. Von den Teilnehmenden wird Geduld und Hartnäckigkeit gefordert. Immer wieder müssen Lösungen gefunden und Entscheidungen getroffen werden. Aber für alle Fragen gibt es Informationen, Fachstellen und Fachleute und ActNow unterstützt auf dem Weg dorthin.

Die vergangenen Monate konnte das Projektteam nutzen, um an einer Gründer*innenbroschüre zu arbeiten, in der 9 Teilnehmende des Projekts portraitiert wurden. Die daraus entstandenen Geschichten zeigen, dass ein berufliches Ziel nicht nur ein berufliches Ziel ist, sondern sich dahinter Persönlichkeiten, Leidenschaften, Träume aber auch schicksalhafte Wendungen im Leben ergeben. Bei einer sehr großen Vielfalt an Berufsbiografien, Zielen, Kompetenzen und Gründungsideen möchten wir Ihnen einige Gründungspersönlichkeiten näher vorstellen. Sie repräsentieren auch weitere Teilnehmende, die entweder schon den Weg in die Selbständigkeit eingeschlagen haben, sich in der Startphase befinden oder ganz andere Wege wählen, wie beispielsweise eine Ausbildung. Wiederum andere haben ihr Geschäftsmodell bereits entwickelt, den Start
in die Selbständigkeit jedoch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da sie sich zuvor noch weitere Kenntnisse und Erfahrungen aneignen möchten.
Wir hoffen, dass Sie aus den Portraits spannende Einblicke und neue Inspirationen gewinnen können.

Die Portraits sind HIER nachzulesen.

Ali Darwish vor seiner syrischen Konditorei „Darwish Sweets“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Ali Darwish vor seiner syrischen Konditorei „Darwish Sweets“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Wie geht es weiter in 2020

An mehreren Standorten finden auch wieder Workshop-Reihen und diverse Fortbildungsmaßnahmen oder auch Tagesworkshops sowie Sprechstunden/Beratungen in Präsenz statt, u.a. in Wuppertal, Düsseldorf, Dortmund, Bonn, Aachen und Köln. Die Aktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur*innen und Institutionen, den Jobcentern und Integration Points, den Wirtschaftsförderungen und Kammern (HWK, IHK), den Kommunalen Integrationszentren, migrantischen Organisationen und weiteren Initiativen umgesetzt.

Die nach wie vor unsichere Lage durch die COVID-19 Pandemie, die sich für die Teilnehmenden, Netzwerkpartner*innen und das Projektteam ergibt, veranlasst uns die Qualifizierungsangebote auch zukünftig in Form von blended-learning Formaten anzubieten. 

Nähere Infos zu den aktuellen Qualifizierungsangeboten des Projekts finden Sie auch auf der Teilprojektseite des IQ Netzwerks NRW unter: www.iq-netzwerk-nrw.de/actnow2/

Oder beantworten Ihnen gerne:

Projektleitung: Martin Kaufmann: 0178-3293021, kaufmann@migrafrica.org

oder

Projektmitarbeiterin: Nicola Deuticke: 0176-67458333, deuticke@migrafrica.org

 

Im Rahmen der Global Entrepreneurship Week fand auch in Deutschland, veranlasst durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie, vom 16.11.-22.11.2020 die Gründerwoche statt.

An verschiedenen Standorten wurden Online-Seminare, Planspiele, Wettbewerbe und weitere Veranstaltungen für Gründungsinteressierte oder schon Selbstständige angeboten.

Der Fokus der diesjährigen Gründerwoche lag auf dem Thema Vielfalt – ein perfekter Anlass für Migrafrica VJAAD e.V., als Partner selbst mit einer Veranstaltung teilzunehmen. Über das Projekt ActNow wurde der Workshop “Alles rund um Selbstständigkeit in Deutschland” angeboten: Wie der Name schon vermuten lässt, ging es in diesem Workshop um eine allgemeine Einführung in das große Thema Selbstständigkeit in Deutschland. Da MIGRAFRICA sich als soziale und migrantische Organisation versteht und gesellschaftliche Vielfalt fördert, war dieses Online-Seminar explizit an Migrant*innen gerichtet, die Interesse an einer Selbstständigkeit in Deutschland haben und sich zu diesem Thema informieren möchten. Wie eine Studie des KfW und der Bertelsmannstiftung zeigt, ist jede vierte Existenzgründung im letzten Jahr durch Migrant*innen und Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland erfolgt. Die deutsche Volkswirtschaft profitiere in den letzten Jahren von der höheren Bereitschaft von Migrant*innen, sich selbstständig zu machen, so Dr. Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW (Pressemittelung KfW, 12.11.2020).  Die Studie zeigt, dass migrantische Gründungen längst kein gesellschaftliches Randthema mehr darstellen, sondern einen wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag leisten. Das Projekt ActNow von MIGRAFRICA widmet sich genau diesem Thema und unterstützt Migrant*innen dabei ihre unternehmerischen Fähigkeiten zielgerichtet einzusetzen und dies häufig auf dem Weg in eine Selbstständigkeit. Das Online-Seminar der Gründungswoche wurde daher mit einem sprachlich niedrigschwelligen Zugang und vielen konkreten Beispielen angeboten. So konnten Teilnehmende in den zwei Stunden dieses Online-Seminars nicht nur wichtige Informationen zu den einzelnen Schritten einer Gründung erfahren, sondern bekamen auch Handreichungen zu Businessplanhilfen in verschiedenen Sprachen und weiteren auf die Zielgruppe angepassten Formaten. Außerdem wurden wichtige Akteure wie die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer vorgestellt. Zum Ende des Online-Seminars blieb Zeit für individuelle Fragen oder Probleme und natürlich das Angebot, weiterhin Workshops und Beratungen beim Verein Migrafrica VJAAD e.V. in Anspruch zu nehmen.

 

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