Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriumsd Soziales (BMAS) für Arbeit un und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Projekt ActNow II!

Unternehmerische Kenntnisse und Kompetenzen sind nicht nur in einer selbständigen Tätigkeit wichtig, sondern können auch andere berufliche Perspektiven eröffnen. Das Projekt „ActNow!“ wird seit Januar 2019 unter Trägerschaft von Migrafrica implimentiert und freut sich auf Zugewanderte, die gern eine Geschäftsidee oder Projektidee entwickeln möchten.

In unserem Qualifizierungsangebot geht es um mehr als um die nüchterne Vermittlung von Wissen. Es soll die Kreativität gefördert werden, in Gruppenarbeit lernen die Teilnehmenden ihre Stärken kennen, sie gewinnen an Selbstbewusstsein und entdecken alte Träume und Ziele wieder. Meist gibt es mehr Möglichkeiten als die Teilnehmenden denken. Ob es eine Kombination aus Job, Sprachkurs, Fortbildung und Vorbereitung auf eine spätere Selbständigkeit ist. Oder ob jemand erst einer Beschäftigung nachgeht, um in wenigen Jahren den Betrieb als Nachfolger zu übernehmen. Ob eine Gruppe Frauen einen Verein oder eine Genossenschaft gründet, um sich hierüber Perspektiven zu erschließen – hier ist vieles möglich.

Laurence in ihrem Beauty Salon in Düsseldorf. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2019

Laurence Fifatin in ihrem Beauty Salon in Düsseldorf. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2019

Das Motto lautet: Das Tempo rausnehmen und innehalten. Die wichtigsten Probleme lösen. Den Blick weiten. Sich Zeit für die Reflexion und Entscheidungen geben. Sich gründlich informieren und vorbreiten. Und dann Schritt für Schritt die Ziele verfolgen. In der Qualifizierung wird vor allem geübt, die eigenen Ziele und Pläne immer wieder zu präsentieren – die Grammatik spielt dabei keine Rolle. Wer lernt, sich mit wenigen Wörtern auszudrücken, kommt viele Schritte weiter.

Natürlich ist der Weg in den Arbeitsmarkt und in die Selbständigkeit kein Spaziergang. Es gibt viele Hürden, offene Fragen, Unsicherheiten und wirkliche Stolpersteine. Von den Teilnehmenden wird Geduld und Hartnäckigkeit gefordert. Immer wieder müssen Lösungen gefunden und Entscheidungen getroffen werden. Aber für alle Fragen gibt es Informationen, Fachstellen und Fachleute. Durchfuchsen, lautet die Devise.

Rückfragen beantworten wir gern:

Martin Kaufmann: 0178-3293021 (Actnow@migrafrica.org ) oder Nicola Deuticke: 0176-67458333 (Deuticke@migrafrica.org)

Unternehmerische Kenntnisse und Kompetenzen – nicht nur für die Selbständigkeit von Relevanz (Wir ziehen eine erste Zwischenbilanz: Stand Dezember 2019)

Das Qualifizierungsprojekt ActNow erhält seit Januar 2019 unter Trägerschaft von Migrafrica die Gelegenheit, im Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung – IQ“ (www.iq-netzwerk-nrw.de) in NRW zu erproben, wie durch Vermittlung unternehmerischer Kenntnisse und Kompetenzen berufliche Chancen Zugewanderter erschlossen werden können.

Seither nehmen über 98 Ratsuchende mit ihren vielfältigen Anliegen, Hintergründen und Bedarfen die verschiedenen Unterstützungsangebote in Anspruch. Neben Erstberatungen und dem individuellen Coaching werden vor allem Einzelqualifizierungen und Workshops durchgeführt. Es finden Workshop-Reihen oder auch Tagesworkshops sowie Sprechstunden an mehreren Standorten statt, u.a. in Wuppertal, Düsseldorf, Kamen/Kreis Unna, Dortmund, Bonn und Krefeld. Die Aktivitäten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren und Institutionen umgesetzt, den Jobcentern und Integration Points, den Wirtschaftsförderungen und Kammern (HWK, IHK), den Kommunalen Integrationszentren, Migrantenorganisationen und weiteren Initiativen.

Die Teilnehmenden kommen aus Eritrea, Ghana, Syrien, dem Irak und Iran, aus Afghanistan, Aserbaidschan, Armenien aus der Türkei, Portugal und weiteren Herkunftsländern. Das Projekt richtet sich an verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen beruflichen Zielen. In den meisten Fällen kommen jedoch Teilnehmende mit unternehmerischen Erfahrungen und einer sehr konkreten Gründungsabsicht. Hier geht es um die Hilfestellung zur Erstellung des Businessplans. Obwohl viele Teilnehmende langjährige Erfahrungen und fundierte Kompetenzen als Unternehmerin oder als Unternehmer haben, sehr gut Deutsch sprechen und sich mit verschiedenen Mitteln intensiv mit ihrem Vorhaben und ihren Marktchancen befassen, fällt es ihnen noch schwer, das „System Deutschland“ so zu verstehen, dass sie ihren Weg ohne Unsicherheiten gehen können. Hier kommt dem Empowerment eine wichtige Bedeutung zu.

Um den Ratsuchenden auch nach dem Markteintritt eine adäquate Unterstützung geben und besser auf ihre fachspezifischen Fragen eingehen zu können, wird die Zusammenarbeit mit verschiedenen Mentorinnen und Mentoren verfolgt.

Ercan Kansiray in seinem Imbiss „Dubai Grill“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Ercan Kansiray in seinem Imbiss „Dubai Grill“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Dabei gibt es immer wieder Ratsuchende, die unternehmerische Kenntnisse und Kompetenzen nutzen möchten, um sich andere berufliche Wege zu erschließen, etwa eine Ausbildung oder Anstellung. Manche entscheiden sich im Zuge der Qualifizierung, das Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben und zunächst zu arbeiten, um Arbeitserfahrungen zu sammeln, eine Markterkundung vorzunehmen, auf schnellem Wege Geld zur Versorgung der Familie zu verdienen und etwas Startkapital anzusparen.

Ali Darwish vor seiner syrischen Konditorei „Darwish Sweets“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Ali Darwish vor seiner syrischen Konditorei „Darwish Sweets“ in Köln. Gründung 2018. Bei ActNow seit 2016

Bisher konnten 17 Teilnehmende ihr eigenes Unternehmen gründen, darunter eine Konditorei, Goldschmiede und Änderungsschneiderei. Es gibt ein Brautmodengeschäft, einen Medienmacher im Bereich Foto und Film, verschiedene Restaurants, einen Feinkostladen oder auch Kulturverein. Die Gründerinnen und Gründer haben es vor allem mit einem hohen Grad an Motivation, Klarheit, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen geschafft. Weitere 20 Teilnehmende stehen bereits kurz vor ihrem Markteintritt, andere durchlaufen noch die Qualifizierung. Weitere 30 haben sich für einen anderen Weg entschieden. Es ist für alle Beteiligten kein leichter Weg, aber es lohnt sich.

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