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MEHR POLITISCHE PARTIZIPATION FÜR MENSCHEN MIT MIGRATIONSGESCHICHTE - Migrafrica
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MEHR POLITISCHE PARTIZIPATION FÜR MENSCHEN MIT MIGRATIONSGESCHICHTE

Projekt: MultiplikatorenPlus (M+)
Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik als zentrale Voraussetzung für mehr politische Partizipation

Überlegungen anlässlich der Multiplikator*innen-Schulung im  Rahmen des (M+)Projekts (von Serge Palasie)

 

Vorab
Die Bedeutung sogenannter migrantischer Akteur*innen in Deutschland nimmt in vielen Bereichen stetig zu. Trotz der Vielfalt der von ihnen bearbeiteten Themen konzentrieren sich jedoch nach wie vor viele Aktivitäten auf Bereiche mit einem Bezug zu Integration, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder Flucht und Migration. Ganz klar betreffen diese und ähnliche Bereiche die erwähnte Gruppe oftmals auf besondere Weise, was diese Priorisierung rechtfertigt. Dennoch: Vermehrt sollten auch Themenbereiche von dieser Gruppe besetzt werden, die (noch) nicht per se mit Migrant*innen bzw. mit Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund verbunden werden. Ein großes Hindernis ist hierbei eine hinterherhinkende deutsche Erinnerungspolitik und -kultur, die kaum Identifikations-möglichkeiten für die nicht als Mehrheitsgesellschaft bezeichnete Gruppe bietet. Mangelnde Identifikation mit diesem Land kann eine Ursache für mangelndes politisches Engagement jenseits der eingangs erwähnten Themenfelder sein. Andererseits kann die verbreitete mangelnde Bereitschaft eines grundlegenden Überdenkens der Frage, was und wer heute alles deutsch ist und was und wer nicht, dafür sorgen, dass einem die potentiell „besten Deutschen“ verlorengehen. Durch einen Blick auf die Geschichte der letzten 500 Jahre wird schnell deutlich, dass Menschen aus aller Welt Europas Geschichte mitprägten – und zwar nicht nur als Sklaven und koloniale Untertanen, sondern auch in Bereichen wie der Wissenschaft, Medizin, Architektur oder Philosophie. Spätestens mit der im 19. Jahrhundert in Europa entstehenden Nationalstaat-Idee, die von ethnisch homogenen Völkern ausging, gerieten gesamtgesellschaftliche Leistungen „außereuropäischer“ Akteur*innen durch Auslassungen in Vergessenheit, während die Betonungen der Leistungen europäischer Akteur*innen andererseits genau das Gegenteil bewirkten bzw. immer noch bewirken. Das Bewusstsein hierüber und eine Überholung dieser verstaubten Geschichtsschreibung sind dringend notwendig. In Zeiten komplexer werdender Identitätsrealitäten ist dies im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Unabhängig davon gilt es verstärkt jenseits der vertrauten Strukturen tätig zu werden, um auch als Menschen mit sogenanntem Migrations-hintergrund zunehmend als politische Akteur*innen im gesamtgesellschaftlichen Kontext sichtbar zu werden. Mehr lesen

 

Projektbeschreibung

 

Mit dem Projekt “Multiplikatoren PLUS” wollen wir die o.g. Menschen, dabei unterstützen sich aktiv an der politischen Bildung in der BRD zu beteiligen.

Um den immensen Informationsbedarf bezüglich der politischen Bildung decken zu können, beabsichtigen wir unter dem Motto “Wir qualifizieren und fördern Vorbilder” in vier Phasen ein möglichst engmaschiges Multiplikatoren-Netzwerk zu organisieren, wodurch die politische Partizipation mehrheitlich „ehemals Geflüchteten“ gewährleistet werden kann.

Dieses Netzwerk soll mit Hilfe erfahrener Mitarbeiterinnen und Expertengruppe aufgebaut werden, die das fachliche Wissen und die nötige Erfahrung besitzen, die o.g. Zielgruppe zu Multiplikatoren zu schulen. Die exemplarische Vorstellung von Biografien der erfolgreich integrierten und politisch aktiven Experten mit afrikanischen Migrationsgeschichte ist Bestandteil der Fortbildung der Multiplikatoren, die eine Vorbildfunktion einnehmen und das Erlernte nach außen tragen werden. Darüber hinaus ist es von großer Wichtigkeit, die o.g. Menschengruppe bei der Entwicklung der Methoden und Konzepte hinsichtlich der politischen Partizipation mit einzubinden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre politische Partizipation selbst in die „Hand zu nehmen“ und aktiv zu gestalten.

Bei dem geplanten Zusammentreffen mit Entscheidungsträgern auf Bundesebene sollen Vorschläge für mögliche Reformen zur Sprache kommen, die die politische Partizipation der Zielgruppe fördern.

 

 

 

Multiplikatoren + 2019

 

Durch die Projektverlängerung von Multiplikatoren + durch BPB können wir auch im Jahr 2019 gezielt Fortbildungen für VertreterInnen von migrantischen Organisationen anbieten, um ihre politische Bildungsarbeit für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte zu stärken.

Der erste Workshop dieses Jahres fand vom 05. – 07. April 2019 in Siegburg statt. 20 VertreterInnen verschiedener bundesweit ansässiger migrantischer Organisation kamen zusammen, um sich gemeinsam über politische Partizipation auszutauschen und zu vernetzen sowie eigene Projektideen hinsichtlich politischer Partizipation weiterzuentwickeln. Dafür gab der Workshop den Teilnehmenden konkrete Schritte und Methoden an die Hand, um eigenständige Projekte zur Steigerung der politischen Partizipation von Menschen mehrheitlich mit Flucht- und Migrationsgeschichte in ihren Regionen durchzuführen. Ein wichtiger Bestandteil des Workshops war das „CANVAS-Business Modell“, das wir im Voraus des Workshops auf die konkrete Arbeit von migrantischen Organisationen anpassten.

Mithilfe dieses Tools wurden die VertreterInnen dazu angeregt über die Stärken und Zielsetzungen ihrer eigenen Organisationen in Bezug auf politische Partizipation zu reflektieren. So konnten die Teilnehmenden zum einem das Profil Ihrer Organisation definieren und stärken; zum anderen wurde so deutlich wo die Teilnehmenden noch Unterstützung bei der Entwicklung ihrer eigenen Organisationen und Projektumsetzungen benötigen. Ferner lernten die Teilnehmenden wichtige Projektmanagementtools, wie die Planungsmatrix kennen, um in Zukunft eigene Projekte besser planen und implementieren zu können. Mithilfe der Planungsmatrix können auch komplexe Projekte durch klar definierte Visionen, Ziele und Aktivitäten erfasst und geplant werden. Diesen theoretischen Input konnten die Teilnehmenden am Beispiel des Migrations- und Entwicklungsrats, der letztes Jahr aus den M+ Workshops vorangegangen war, vertiefen und praktisch anwenden. Somit konnte zum einen das gemeinsame Beispielsprojekt „Migrations- und Entwicklungsrat“ weiterverfolgt werden, zum anderen konnten die Teilnehmenden erste praktische Erfahrungen in der Anwendung dieses Projektmanagementtools sammeln.

In einem weiteren Schwerpunkt wurden die Teilnehmenden über konkrete Möglichkeiten zur Mittelakquise auf nationaler Ebene informiert. So konnten wir unsere eigene Expertise bezüglich der Fördermittel ganz gezielt und konkret an die einzelnen Organisationen passend zu ihrem jeweiligen Vorhaben im Bereich der politische Partizipation weiter vermitteln. Am Ende des Workshops gab es noch einen Best Practice Austausch, bei dem die VertreterInnen von Organisationen mit viel Erfahrung ihre Projekte vorstellen konnten, was für alle Beteiligten hoch motivierend war.

 

Der zweite Workshop (03.-05. Mai 2019 in Siegburg) vertiefte die Impulse zur Mittelaquise des vorangegangenen Workshops. Abraham Nida, Martin Kauffmann, Markus Geis klärten über EU Fördermöglichkeiten im Bereich der politischen Bildungsarbeit auf. Hierbei wurden die Teilnehmenden insbesondere dazu eingeladen über ihre eigene Motivation für ihre Bildungsprojekte zu reflektieren. Aus unserer Erfahrung sind diese inneren Prozesse sehr zentral für die Umsetzung der eigenen Projektideen. Darüber hinaus widmete sich der Workshop dem Thema Finanz- und Budgetplanung, die unumgänglich für die erfolgreiche Projektdurchführung ist. In einem interaktiven Workshop konnten die Teilnehmenden viele Fragen zu ihren eigenen Projekten stellen.

In einem Input zum „Guerilla Marketing“ zeigten wir den Teilnehmenden Möglichkeiten auf, wie sie ihre eigene Arbeit auch ohne finanzielle Mittel für Marketingarbeit bekannt und präsent machen können. Dabei konnten die VertreterInnen durch verschiedene Kampagnenbeispiele von Migrafrica, beispielsweise Mare Monstrum, motiviert werden ihre eigene Projektideen kreativ umzusetzen. Anschließend erarbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen eigenen Marketingstrategien um ihre Anliegen publik zu machen. Es entstanden viele kreative Ideen, beispielsweise Postkarten, Flashmobs und Theaterstücke, durch die die Teilnehmenden nachhaltig motiviert werden konnten selbst aktiv zu werden. Auch bei diesem Workshop kam es zu einer regen Vernetzung und einer gegenseitigen Beratung zwischen den VertreterInnen der einzelnen migrantischen Organisationen, wodurch alle Beteiligten gestärkt werden konnten.

Darüber wurde die Teilnahme der TN am “Fachtag der Entwicklung”, der, organisiert von Migrafrica, am 13.06.2019 im VHS Forum im Museum am Neumarkt stattfinden soll, thematisiert. Ziel dieser Veranstaltung soll es sein, insbesondere die Partizipation von migrantischen Organisationen im Bereich der Entwicklungspolitik zu erhöhen und das vorhandene Engagement sichtbar zu machen. Unter Mitwirkung der TN entwickelte das Projektteam einen Markt der Möglichkeiten, um die teilnehmenden Organisationen am Fachtag öffentlich wirksam zu präsentieren. Die TN lernten darüber hinaus, wie sie mithilfe des Elevator Pitches, ihre Organisation und dessen Tätigkeiten prägnant und präzise darstellen können, um sie sichtbarer zu machen.  Ferner wurden gemeinsam mit den TN Strategien konzipiert, wie die TN politische Entscheidungsträger*innen für die eigenen Anliegen gewinnen könnten.

 

Abschlussveranstaltung im Juni 2019

 

Für die Abschlussveranstaltung vom 12. – 14. Juni 2019 luden wir die TN nach Köln ein. 40 Vertreter*innen migrantischer Organisationen wurden an den drei Tagen sowohl untereinander, also auch mit Entscheidungsträger*innen sowie starken Partnern vernetzt, fortgebildet und sichtbar gemacht.

Dabei war insbesondere unsere Veranstaltung “Fachtag der Entwicklung 2019” im VHS Forum im Museum am Neumarkt am 13. Juni 2019, besonders wichtig für die Steigerung der politischen Partizipation der TN, da sie hier ihre die Ergebnisse der Workshops und ihre Arbeit unter anderem für die Stadt Köln (Bürgermeisterin Elfi Scho Antwerpes, Referat für Internationales und Amt für Integration und Vielfalt), Bundestag (Bundestagsabgeordneter Uwe Kekeritz, Bündnis 90 / Die Grünen) und Förderern wie CIM (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) oder UNCCD (United Nations Convention to Combat Desertification) sichtbar machen konnten.

Im ersten Teil des Workshops am 12.06.2019 wurden im Anschluss an den zweiten Workshop in Siegburg Strategien für den darauffolgenden Fachtag entwickelt, um das Interesse von Förderern, Entscheidungsträger*innen und die breite Öffentlichkeit für die migrantischen Organisationen zu wecken und die bisher geleistete Arbeit sichtbar zu machen. Darüber hinaus wurde mit den TN der professionelle Umgang mit politischen Entscheidungsträger*innen thematisiert, da die TN alle die Chance bekamen am folgenden Tag mit politischen Entscheidungsträger*innen direkt in Kontakt zu treten und ihre Anliegen vorzubringen.

Vorbereitungen für den Fachtag: Wie können wir uns gut präsentieren?

Neben der Vorbereitung für den Fachtag, griff der Expertenvortrag von Tshamala Schweizer (Geschäftsführer Afrokids e.V.) das Thema Lobbyarbeit und Projektförderung durch Spendenakquise auf, wodurch die TN weitere Strategien und Methoden für die Finanzierung ihrer Projekte mit an die Hand bekamen.

Am Fachtag der Entwicklung fanden die Anliegen der TN mit mehr als 200 Besucher*innen ein großes Publikum. Es gab Interviews und Vorträge von Expert*innen wie Serge Palasie (Fachpromotor für Flucht, Migration und Entwicklung), Prinz Dr. Asserate (Unternehmensberater, Bestsellerautor und politischer Analyst.), Dr. Boniface Mabanza (Philosoph, Literaturwissenschaftler und Theologe) und Prof. Dr. Kim Bischoff (Expertin für Förderung von Unternehmertum im Globalen Süden) sowie Selly Wane (Unternehmerin) und Bundestagsabgeordneter Uwe Kekeritz (Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Sowohl in den interaktiven Interviews, als auch in der anschließenden Podiumsdiskussion, wurde deutlich betont,  dass die gesteigerte Partizipation von Expert*innen mit Migrationsgeschichte großes Potential birgt die Effizienz der Integrations- und Entwicklungspolitik signifikant zu steigern. Selly Wane, die an unseren Multiplikatoren+ Workshops der letzten zwei Jahre teilgenommen hat, konnte dabei stellvertretend die Perspektive und Anliegen der anderen Vertreter*innen der migrantischen Organisationen auch in der Podiumsdiskussion vorbringen.

Multiplikatoren + Teilnehmerin Selly Wane auf dem Podium 

 

Bei der Vorstellung des Markt der Möglichkeiten auf der Bühne konnten die TN gemeinsam mit lokalen Akteuren der Stadt Köln und Förderern, ihre Organisationen präsentieren. Dabei stellten wir fest, dass die bereits in den vorhergehenden Workshops dieses Projektes praktizierten Elevator Pitches professionell von den einzelnen TN umgesetzt wurde.  Die TN waren über die Art und Weise, wie sie ihre Organisationen präsentiert haben sehr zufrieden und haben die Nützlichkeit der vorangegangen Übungen in den Workshops sehr geschätzt.

Beim anschließenden Markt der Möglichkeiten konnten sich die TN darüber hinaus im Gespräch mit einzelnen Besucher*innen, sowie Entscheidungsträger*innen austauschen.

Die Teilnehmenden können gemeinsam mit anderen Akteur*innen ihre Arbeit beim Markt der Möglichkeiten präsentieren

 

Beispielsweise konnten die Vertreter*innen mehrere politische Themen im Bereich der entwicklungspolitischen In- und Auslandsarbeit mit Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz besprechen. Uwe Kekeritz wird diese Themen in Berlin in diversen Arbeitsgruppen einbringen, wodurch sich hoffen lässt, dass die Thematik in Zukunft mehr Gehör auf der bundespolitischen Bühne finden wird und eine konkrete Umsetzungsfahrplan hinsichtlich der besprochenen Themen erarbeitet wird.

Am nächsten Tag konnten die TN abschließend über den Fachtag reflektieren. Die TN waren durchweg von der Veranstaltung begeistert und fühlten sich durch die Möglichkeit ihre Arbeit sichtbar zu machen und an relevante Entscheidungsträger*innen weiter zu geben sehr gestärkt. Es entstand eine rege Diskussion und gegenseitige Motivation sich für die eigene politische Partizipation weiter zu engagieren. So beschlossen die TN unter anderem die Initiative Migrations- und Entwicklungsrat, dessen Idee sich unter anderem in den Multiplikatoren + Workshops 2018 entwickelt hat, in Zukunft weiter voranzubringen. Mit dieser Initiative wollen sich die TN mit migrantischen und anderen Organisationen vernetzen, um ihr Recht auf politische Teilhabe insbesondere im Bereich der Integrations- und Entwicklungspolitik weiter einzufordern.

Reflexionsrunde der Vertreter*innen der MSO

 

Im Laufe der Multiplikatoren Workshops, bei dessen Konzeptionalisierung wir uns stets an der Clear Methode orientieren, konnten wir den TN wichtige Mittel an die Hand geben, um ihre eigene politische Partizipation zu erhöhen. Der Fachtag der Entwicklung bot den TN eine große Chance ihre Anliegen auch bei den betreffenden Entscheidungsträger*innen vorzubringen. Laut der Clear Methode ist der letzte zentrale Schritt zu nachhaltiger politische Partizipation die “Response” der Entscheidungsträger*innen. Nur durch eine entsprechende “Response” können die Menschen nachhaltig politisch gestärkt werden, indem sie sehen, dass ihre Forderungen in politischen Entscheidungsprozessen tatsächlich berücksichtigt werden. Bundestagsabgeordneter Uwe Kekeritz hat zugesagt, die Anliegen der TN in diverse Arbeitsgruppen mit einzubringen. Die TN wünschen sich sehr, dass sie diesen Prozess gemeinsam weiterverfolgen können. Es ist von zentraler Bedeutung sich jetzt weiterhin politisch zu organisieren und die Anliegen im Bundestag weiter vorzubringen. Als Projektteam würden wir gerne den politischen Partizipationsprozess der TN weiter begleiten und fördern, indem wir beispielsweise ein Treffen mit Uwe Kekeritz und Diaby Karamba, der bei dem Multiplikatoren + Workshop im November 2018 dabei war, weiter organisieren und weiter auszubauen. Dementsprechend werden wir eine entsprechende Förderung beantragen, um auch den letzten Schritt der Clear Methode effektiv durchführen zu können.

Die TN, als auch das Projektteam, waren über den Verlauf des Projekts, Workshops, Fortbildungsseminare und die erreichten Ziele sehr zufrieden und bewerteten dies mit einer sehr guten (95%) Gesamtbewertung hinsichtlich Vorbereitung, Durchführung und Evaluation des Multiplikatoren + Projektes. An dieser Stelle möchten wir uns sehr herzlich bei BPB für die freundliche Unterstützung bedanken.

 

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Berlin November 2018

 

“Es wird Zeit, dass die deutsche Politik die migrantischen Akteur*innen in der Entwicklungszusammenarbeit wahrnimmt!” – Dies war die Hauptaussage des vierten Workshops des Multiplikatoren + Projekts, über die sich alle 65 TeilnehmerInnen einig waren. Am 1/2.11.2018 trafen in Berlin VertrerInnen diverser Migrantenselbstorganisationen (MSOs) und Initiativen aus verschiedenen Bundesländern zusammen, um sich über “Mehr Teilhabe” an der Politik Deutschlands zu sprechen. Bereichert wurde der Workshop von den zwei ReferentInnen Dr. Karamba Diaby (Bundestagsabgeordneter der SPD) und Dorsa Moinipour (Interkulturelle Promotorin Regierungsbezirk Köln, Migrafrica & Eine Welt Netz NRW).

 

 

Dr. Diaby, der es 2013 trotz mehrfacher öffentlicher rassistischer Angriffe als erster Mensch afrikanischer Abstammung in den Bundestag schaffte, hielt einen Impulsvortrag zu seinem politischen Werdegang und über die Rolle und Verantwortung von MigrantInnen hinsichtlich politische Partizipation auf Bundesebene. Er appellierte an alle Anwesenden, nicht nur in Herkunftsland bezogenen Vereinen, sondern auch in der deutschen Gesellschaft politisch aktiv zu werden, um die Stimme von Menschen mit Migrationshintergrund zu erhalten und weiter zu stärken. Er vertritt die Meinung, dass sich einzelne Interessensgruppen in der vielfältigen Deutschen Gesellschaft am besten selbst vertreten können und sollten, insb. indem sie im Rahmen von MSOs ihre Netzwerke nutzen, um sich an politischen Diskussionen zu beteiligen. Im Anschluss an seinen Vortrag stellte sich Dr. Diaby fachlichen und persönlichen Fragen der TeilnehmerInnen, welche er kompetent und verständlich beantwortete, was die TeilnehmerInnen in ihrem Feedback als sehr motivierend empfanden, um sich weiterhin intensiv mit politischer Bildung auseinanderzusetzen.

 

Auch Dorsa Moinipour motivierte die Anwesenden in ihrem Vortrag dazu, sich mit ihren jeweiligen Vereinen politisch zu engagieren. Für den Perspektivenwechsel, der in Deutschland als Einwanderungsland schon lange ausstehen würde, sei die Expertise migrantischer AkteurInnen in allen politischen Bereichen ein Mehrwert. Nur durch eine Zusammenarbeit von allen Akteuren können globale Herausforderungen wie zum Beispiel Ursachen von Flucht gemeinsam gelöst werden. Neben der Benennung von Grundvoraussetzungen (unter Berücksichtungung der CLEAR- Methode https://www.governanceinstitute.edu.au/magma/media/upload/media/484_clear_sept061.pdf)  für politische Partizipation, veranschaulichte Dorsa Moinipour an einem Praxisbeispiel direkt, wie diese in die Tat umgesetzt werden kann.

 

 

 

Neben der politischen Partizipation von MigrantInnen, war ein weiterer thematischer Schwerpunkt des Workshops der innerhalb des Projektes Multiplikatoren + entwickelte “Entwicklungsrat”. Die Vision des Entwicklungsrates wurde von Amanuel Amare (Geschäftsführer von VJAAD e.V.  Migrafrica) vorgestellt. Er soll zum einen als Vernetzungsstelle migrantischer AkteurInnen und kleiner Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in der Entwicklungszusammenarbeit dienen. Zum anderen soll er als Bindeglied aller Mitgliedsvereine und der deutschen Entwicklungspolitik fungieren. Die MitgliederInnen können sich in dessen Rahmen gegenseitig unterstützen, politische Forderungen erarbeiten, nachhaltige entwicklungspolitische Projekte mit allen Beteiligten konzipieren und Lobbyarbeit betreiben. Langfristig möchten die Beteiligten eine Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) anstreben. Dadurch sollen die beteiligten AkteurInnen des BMZ stärker in ihrer Arbeit unterstützt werden, sodass sie bedarfsorientierte entwicklungspolitische Projekte größeren Umfangs betreiben können. Einen ersten Schritt in diese Richtung unternahmen die anwesenden TeilnehmerInnen bereits an diesem Workshop-Wochenende. In Vorarbeit des letzten Workshops entwickelten die TeilnehmerInnern die politische Forderung an das BMZ, die Kompetenzen migrantischer AkteurInnen in der Entwicklungszusammenarbeit stärker mit einzubeziehen und auf langfristige Sicht die Förderrichtlinien für entwicklungspolitische Projekte an die Arbeitswelten von MSOs und kleinen NGOs anzupassen. Mit Blick auf eine gerechte, globale Zukunft unterstützen alle stimmberechtigten TeilnehmerInnen des Workshops diese Forderung des Entwicklungsrates.

 

Als Einstieg in diesen Teil des Workshops hielt Serge Palasie (Fachpromotor für Flucht, Migration und Entwicklung, Eine Welt Netz NRW) einen Vortrag zur Arbeits- und Wirkweise der deutschen Entwicklungspolitik, der zum kritischen Hinterfragen der aktuellen Praktiken einlud. Zwar betonte Serge Palasie die Relevanz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, nannte aber auch Handlungsempfehlungen, damit diese effektiver und gerechter durchgeführt wird. Dies könnte, ganz im Sinne des Projektes Multiplikatoren + und des Entwicklungsrates, durch dezentralere und breite gestreute finanzielle Mittel des BMZ passieren, wodurch zivilgesellschaftliche AkteurInnen, wie MSOs, stärker eingebunden werden.

 

Im Anschluss daran übergab Teilnehmer des Workshops Ibrahim Gueye, stellvertretend für alle ProjektteilnehmerInnen, die politische Forderung des Entwicklungsrates an Christiane Kraus (Persönliche Referentin des Afrikabeauftragten des BMZ, Günter Nooke). Diese bedankte sich im Namen des BMZ für das Engagement und die Zusammenarbeit aller TeilnehmerInnen. Sie betonte, dass das BMZ plant, zukünftig migrantische Perspektiven und Expertisen stärker in seine Arbeit mit einzubeziehen. Dies soll beispielsweise durch die Ausweitung des Programms “Migration für Entwicklung” oder das noch nicht angelaufene Pilotprojekt “Afrika in West” geschehen. Inwiefern der neu formierte Entwicklungsrat in diesen Projekten und Prozessen eine Rolle spielen könnte, ließ sie allerdings offen. Frau Kraus versicherte zwar, dass sie durch den Austausch mit den TeilnehmerInnen neue Impulse gewonnen habe (wie bspw. die unangemessenen Förderrichtlinien für MSOs und NGOs) und diese auch mit ihren KollegInnen besprechen werde, konkrete Zugeständnisse machte sie jedoch nicht. Im Anschluss an ihre Rede gab es eine sachliche und gleichzeitig emotionale Diskussion zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Diese verdeutlichte die Nähe und das Interesse der ProjektteilnehmerInnen an der Thematik.

 

Die anschließend geplante Podiumsdiskussion mit Frau Kraus, Amanuel Amare, Serge Palasie und Vera Dwors (Eine Welt Netz NRW) konnte in geplanter Form bedauernswerterweise nicht stattfinden, da Frau Kraus unerwarteterweise aus beruflichen Gründen die Veranstaltung verlassen musste. Nichtsdestotrotz bewerteten die TeilnehmerInnen und VeranstalterInnen die Mitwirkung Frau Kraus’ als positiv und sahen sie als Grundlage für eine Zusammenarbeit des Entwicklungsrates mit dem BMZ. In Form eines interaktiven Austauschs mit den TeilnehmerInnen erarbeiteten die ReferentInnen statt der Podiumsdiskussion in welchen Formaten am Entwicklungsrat weitergearbeitet werden soll.

Im weiteren Verlauf des Workshops bildeten sich ebenfalls zu diesem Zweck sieben Arbeitsgruppen, die sich spezifisch mit relevanten Aufgaben zur Gründung des Entwicklungsrates beschäftigten: Rechtsform, Prozesse auf der Metaebene, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Social Media und Jugend, Dialog mit Politik/Institutionen, Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern und Bildungsarbeit. Migrafrica wird in den nächsten Wochen die Arbeitsergebnisse dieser Gruppen auswerten und weitere Schritte und Arbeitsweisen zur Gründung des Entwicklungsrates planen.

 

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Siegburg 2018

 

Der dritte Workshop des Multiplikatoren+ Projekts startete informativ mit einem Impulsvortrag von Serge Palasie, dem Fachpromotor für Flucht, Migration und Entwicklung des Eine Welt Netz NRW. In seinem Vortrag “Deutsche Entwicklungspolitik – kohärent, partizipativ, glaubwürdig?”  führte er anschaulich in die deutsche Entwicklungspolitik ein. Dabei betonte Serge Palasie die Relevanz dieser Arbeit, lud aber auch gleichzeitig zum kritischen Hinterfragen der aktuellen entwicklungspolitischen Praktiken ein. Mit seinem Vortrag und dem anschließenden Austausch mit allen Anwesenden vermittelte er gewinnbringende Denkanstöße für die folgende Arbeit im Workshop. Ein kurzer Bericht zum Vortrag wurde freundlicherweise von Serge Palasie für alle Teilnehmenden und Interessierten zur Verfügung gestellt. Der Artikel findet sich unter: Deutsche Entwicklungspolitik – Kohärent, partizipativ, glaubwürdig?. Auf Basis dieses Einstiegs ging es in ein erstes Brainstorming zu der Frage wie die afrikanische Diaspora in Deutschland stärker in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) eingebunden werden kann. Dabei wurde besonders die Idee des zweiten Workshops, einen Zusammenschluss von Migrantenselbstorganisationen (MSOs) und kleinen Nichtregierungsorganisationen (NROs) zu bilden,weitergeführt.

 

Für die folgende Arbeit im Workshop bildeten sich aus diesem “Brainstorming” drei Arbeitsgruppen, die verschiedene Themenfelder auf den Weg zu diesem Zusammenschluss erarbeiteten. Die Gruppen fokussierten sich dabei auf die rechtliche Form dieses “Konsortiums”, dessen Öffentlichkeits- und Pressearbeit sowie auf konkrete inhaltliche Angebote. Ein kurzer Vortrag über die Zusammenarbeit von private Träger  mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von Nina Sommer (Migrafrica) gab den Teilnehmenden Anhaltspunkte für ihre Arbeit. Die Arbeitsgruppen erarbeiteten an den folgenden Tagen ausführliche Konzepte und Präsentationen zu den genannten Thematiken. Bis zur finalen Präsentationen (Weiterleitung an relevante Entscheidungsträger)  im November in Berlin vom 03 bis 05 wird die Projektleitung in Kooperation mit den Teilnehmenden und dem Eine Welt Netz NRW diese Ergebnisse zu einem umfassenden Dokument zusammenfassen. Dieses wird schließlich bei der Veranstaltung offiziell an die Vertretung des Bundesministers von Dr. Gerd Müller übergeben. So beschlossen die Teilnehmenden den Rat für Entwicklung und Kooperation in Afrika (REKA) zu gründen. Dieser soll als Genossenschaft gemeldet werden, welche sich aus verschiedenen Vereinen und Akteuren in der EZ mit dem afrikanischen Kontinent und Akteuren in Afrika zusammensetzt. Durch diese Zusammenarbeit innerhalb Deutschlands und Afrikas soll die Partizipation der beteiligten Organisationen in der EZ gesteigert werden. Die Mitglieder können sich gegenseitig unterstützen, nachhaltige EZ-Projekte mit allen Beteiligten konzipieren und Lobbyarbeit betreiben. Langfristig möchten die Beteiligten durch REKA eine Zusammenarbeit mit dem BMZ erarbeiten. Durch diese sollen MSOs und kleinere NROs vom BMZ stärker in ihrer Arbeit unterstützt werden, so dass sie entwicklungspolitische Projekte größeren Umfangs betreiben können. Über die Ziele, Projekte und Schritte von REKA soll eine gemeinsame Internetseite und Social Media Seiten immer aktuell die Öffentlichkeit informieren. Für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit wird es ein festes Team geben, welches sich um die Belange dieser Zielgruppe kümmert und dadurch eine Teil zur Lobbyarbeit beitragen.

Um ihr gewonnenes Wissen als Multiplikatoren an ihre Organisationen und deren MitgliederInnen, Mitarbeiterinnen weitergeben zu können und somit die politische Partizipation dieser signifikant zu erhöhen, wurden die Teilnehmenden  hinsichtlich finanziellen Fördermöglichkeiten umfassend informiert und beraten. Amanuel Amare, Geschäftsführer von Migrafrica, zeigte verschiedenste Angebote finanzieller Unterstützung auf. Zusätzlich erläuterte er einzelne Schritte der Projektbeantragung und gab praktische Tipps diesbezüglich. Dadurch wurden die Anwesenden dazu befähigt eigenständig Projekte im Bereich der politischen Bildung/Partizipation und Entwicklungspolitik zu beantragen.

Einen wichtigen ersten Schritt zur Einführung von REKA und der Interessensvertretung von MSOS beim BMZ konnte die Projektleitung Nina Sommer bereits wenige Tage nach dem Workshop erledigen. Am 15. August hatte sie die Möglichkeit Ibrahim Gueye, Vorstandsvorsitzender von SenGermany e.V., zu einem Interview mit der parlamentarischen Staatssekretärin des BMZ, Dr. Maria Flachsbarth, in Berlin zu begleiten. Im Rahmen dieses Treffens konnte Nina unseren Verein Migrafrica, seine Arbeit und das Projekt Multiplikatoren + vorstellen und dadurch den ersten Schritt für Migrafrica und REKA hinsichtlich eine nachhaltige Kooperation mit BMZ einleiten. Frau Dr. Flachsbarth zeigte sich interessiert an der Arbeit von Migrafrica und der Zielsetzung und bisherigen Arbeitsergebnissen des Projekts Multiplikatoren +. Nina konnte die erkannten „Problematiken“ für MSOs in der deutschen EZ vorbringen und mit Ibrahim Gueye und Frau Dr. Flachsbarth besprechen.

 

 

Hierbei bestätigte die parlamentarische Staatssekretärin, dass die in der EZ aktiven Migrant*innen in Deutschland als Experten im dortigen Bereich angesehen werden sollten, aber auch, dass die Unterstützung dieser durch das BMZ gerade noch erschwert ist. Sie persönlich ist in diesem Kontext für Ideen und Vorschläge aus der Diaspora offen und freut sich auf die Zusammenarbeit. In diesem Sinne übertreffen die bisherigen Ergebnisse des Projekts die Erwartungen alle Beteiligten und können bei erfolgreicher Umsetzung eine revolutionäre Veränderung für MSOs, andere NROs und Vereine mit schwerpunkt Afrika in der deutschen EZ erzielen.

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Düsseldorf 2018

 

04.-06. Mai 2018 in Düsseldorf

Das zweite Workshop-Wochenende (04. – 06. Mai 2018) im Rahmen des “Multiplikatoren +”-Projekts startete im Düsseldorfer Landtag mit einem Austausch- und Diskussionstreffen mit der Landtagsabgeordneten Josefine Paul (Bündnis90/Die Grünen). Als Schwerpunkte wurden die Frauenrechte hinsichtlich politischer Bildung und die politische Teilhabe junger Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte im Bildungssektor, gesetzt. 20 VertreterInnen von Migrantenselbstorganisationen (MSOs) hatten die Möglichkeit ihre bereits erarbeiteten Projektideen und Konzepte in den genannten Bereichen vorzustellen, mit Frau Paul und allen Anwesenden zu diskutieren und darauf aufbauend weiterzuentwickeln.

 

 

 

Frau Paul zeigte großes Interesse am übergeordneten Projekt, den gewählten Schwerpunkten und den Teilnehmenden, wodurch ein intensiver und persönlicher Austausch entstand. Ferner vermittelte Frau Paul, auf Basis ihrer Erfahrungen, einen realistischen Blick auf das landespolitische Geschehen in NRW und dessen noch bestehende Schwachpunkte bezüglich der Inklusion von Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte, wie bspw. das Fehlen einer staatlichen Antidiskriminierungsstelle in NRW. Im Konsens aller Beteiligten, dass keine Politik für Menschen afrikanischer Migrationsgeschichte ohne MSOs möglich ist, betonte Frau Paul die Relevanz dieser als wichtige Partner der Landesregierung NRW zur politischen Bildung der Zivilgesellschaft auf alltäglicher Ebene.

 

 

Um die, von Frau Paul angesprochene, notwendige Kooperation zwischen MSOs,politischen Institutionen und Entscheidungsträgern zu stärken, einigten sich die Teilnehmenden im weiteren Verlauf des Workshops darauf, gemeinsam einen thematischen Schwerpunkt festzulegen, der die Partizipationsbereitschaft der Zielgruppe und die Stellung von MSOs in der Politik signifikant stärkt. Dieser wurde nach intensiver Gruppenarbeit demokratisch gewählt. Am meisten Zuspruch fand dabei die Idee einer Monitoringstelle aus einem Konsortium von MSOs und verschiedenen Verbänden und Institutionen zu entwickeln, die aus der Gesellschaft heraus als Bindeglied zwischen Politik und der afrikanischen Diaspora fungiert. Dadurch können die MSOs, unter Berücksichtigung ihrer Kompetenzen und Kapazitäten, aktiv Einfluss auf das politische Geschehen, im Sinne der afrikanischen Diaspora, nehmen. Der Arbeitsbereich dieser Monitoringstelle wird in der Entwicklungspolitik, mit dem dortigen Schwerpunkt der Jugendförderung, liegen. Bis zum dritten Workshop im August werden die Teilnehmenden, auf einer eigens für das Projekt eingerichteten Online-Plattform, konkrete Projektideen in o.g. Bereich entwickeln und bearbeiten. Diese werden dann im dritten Workshop finalisiert, um bei der letzten Veranstaltung an Entscheidungsträger auf Bundestagsebene weitergeleitet und debattiert zu werden.

Zur Weiterentwicklung ihrer multiplikatorischen Fähigkeiten hinsichtlich politischer Partizipation wurden die Teilnehmenden zusätzlich im Verlauf des Workshops in ihren Kommunikationsprinzipien und -techniken geschult. Der Fokus lag dabei auf dem Einfluss von Diversität auf verschiedene Kommunikationsprozesse, wie die subjektive und objektive Wahrnehmung im Alltag und der Teamarbeit. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit für sich selbst und in der Gruppe über persönliche Erfahrungen und die Rolle der Kommunikation im politischen Kontext zu reflektieren. Das Verständnis, dass in einer divers geprägten Gesellschaft die subjektive Wahrnehmung nicht der objektiven Wahrheit entsprechen muss und deshalb andere Perspektiven immer mit beachtet werden müssen, wurde dabei von allen Teilnehmenden geteilt und gilt für die weitere Projektarbeit als eine geteilte Richtlinie. Insgesamt wurde der zweite Workshop vom Großteil der Teilnehmenden (über 75%) als sehr gut bewertet, insofern, dass neue Fertigkeiten und neues Wissen, bezüglich politischer Partizipation

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Bonn 2018

 

Der erste Workshop (2018) des Projektes „Multiplikatoren +“ fand vom 16.03 bis zum 18.03

in Bonn statt. 20 VertreterInnen verschiedener Migrantenselbstorganisationen kamen aus insgesamt acht Bundesländern, um sich über das Thema „politische Partizipation“ mehrheitlich für junge Menschen mit afrikanischen Migrationsgeschichte auszutauschen und gemeinsam Ideen und Methoden herauszuarbeiten um mehr Mitwirkung der o.g. Zielgruppe in der deutschen Politik zu erzielen .

Das Projekt „Multiplikatoren +“ verfolgt das Ziel durch die Fortbildung von Multiplikatoren aus der afrikanischen Diaspora die Steigerung der Teilhabe junger Menschen afrikanischer Herkunft in der Politik zu erreichen.

Im ersten Teil des Workshops ging es darum die Themenschwerpunkte der Teilnehmenden zu erfassen und sich in Gruppen auf ein Arbeitsfeld festzulegen, in welchem sie den notwendigen Bedarf feststellen die Zielgruppe stärker einzubinden. Die erarbeiteten Thematiken und Konzepte des Workshops werden in drei weiteren Treffen weiterentwickelt, konkretisiert und zum Abschluss des Projekts relevanten politischen EntscheidungsträgerInnen auf lokale und nationale Ebene vorgestellt. Bereits in den nächsten Wochen werden die Konzeptentwürfe einzelnen relevanten PolitikerInnen und Ausschüssen des Landtages in Düsseldorf präsentiert.

Die Teilnehmenden brachten verschiedene Arbeitserfahrungen in den Bereichen Migration, Integration und Kooperationszusammenarbeit mit. Durch diese Heterogenität entstanden Synergien, in welche viele unterschiedliche Blickwinkel hinsichtlich politischer Partizipation einflossen. Die Arbeitsatmosphäre war den ganzen Workshop über hochkonzentriert und motiviert in einem von Wertschätzung geprägten Umfeld.  Infolgedessen entwickelten sich drei verschiedene Konzepte in drei verschiedenen Themenbereichen der Politik. Nach einer konstruktiven Themen- und Gruppenfindung bildeten drei Arbeitskreise: In den Bereichen „Bildung“, „Frauenrechte hinsichtlich politischer Teilhabe“ und „Entwicklungspolitik“ sahen die Teilnehmenden den meisten Bedarf die politische Teilhabe junger Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte zu stärken. Für diese drei Themenbereiche wurden bereits die Zielgruppe und der Handlungsbedarf definiert und erste Lösungskonzepte und Maßnahmen entwickelt.

Die Evaluation des Workshop zeigte, dass die Teilnehmenden und das Projektteam mit dem Verlauf, den Methoden und herausgearbeiteten Ergebnissen sehr zufrieden waren.

Wir bedanken uns bei der Bundeszentrale für politische Bildung für die freundliche Unterstützung!

und Kommunikation, erlernt wurden, welche im Rahmen der multiplikatorischen Fertigkeiten anwendbar sind.

 

 

Verlauf des Projekts M+ 2017

 

Das erste Seminar im Rahmen des Projektes Multiplikatoren+ gefördert durch das BPB fand vom 12.05.2017 bis zum 14.05.2017 in Siegburg statt. Nachdem das Projekt M+ vorgestellt und die Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung erörtert wurde, stiegen wir direkt in das Thema „Politische Partizipation“ ein. Nach einer ausführlichen Definition des Begriffes „Politische Partizipation“ und der Kategorisierung von formeller, informeller und unkonventioneller Teilhabe hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit sich über ihre Erfahrungen und Fragen hinsichtlich politischer Partizipation auszutauschen und diese zu reflektieren. Es entstanden mehrere Kontakte und konstruktive Ideen, bspw. wie Demokratie und Transparenz innerhalb der Migrantenvereine intensiv praktiziert werden, wie aktives Zuhören und Partizipation geschult wird, wie regelmäßige Debatten über ausgewählte Themen zum Beispiel Europäische Agrar- und Handelspolitik durchzuführen sind u.v.m.  Die eingeladene Expertin Joyce M. Muvunyi (Fachpromotorin des European Network of people of African decent (ENPAD)) stellte unterschiedliche Möglichkeiten zur politischen Teilhabe vor und zeigte anhand von bewährten Methoden, welche praktischen Möglichkeiten zur politischen Partizipation der Teilnehmer/innen auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene vorhanden sind und wie sie aktiv und nachhaltig gestaltet werden können. U. a. wurden folgende Möglichkeiten zur politischen Teilhabe besprochen: Das Recht als gewählte Vertreter/innen im Integrationsrat mitzuwirken und sich aktiv bei Bürgerinitiativen einzubringen sowie einigen wichtigen Protagonisten in der Politik bspw. Dr. Karamba Diaby dem Bundestagsabgeordneten als Beispiel zu folgen um mögliche Reformen (in diversen Themenbereichen) zu erzielen etc.

Auch die beiden Experten Simone Ahrendt und Eddie Abdella bereicherten die Seminarteilnehmer/innen mit ihren persönlichen unkonventionellen Erfahrungen und möglichen Partizipations- und Vernetzungsmöglichkeiten mit den Entscheidungsträgern auf allen Ebenen.

In diesem Zusammenhang war es für uns (Migrafrica) äußerst wichtig, den Teilnehmer/innen einen „Raum“ zu bieten, wo die politische Partizipation jenseits von Integration individuell definiert und hierzu eine passende Aktion (wie Demonstration, Petition, ziviler Ungehorsam etc.) entwickelt wird, um z. B. die gewünschten Reformen hinsichtlich entwicklungspolitischen Programme der Bundesregierung zu erzielen oder die Zusammenhänge für alle Teilnehmer/innen verständlich zu erörtern, wie ungewollte Migration sowohl von der Mehrheitsgesellschaft als auch von den Afrikaner/innen langfristig betrachtet zu vermeiden ist/wäre. Dies ist uns als Verein in vollem Umfang gelungen.

 

Auch das Feedback des ersten Seminares zeigte, dass alle Teilnehmer/innen mit den Inhalten und aufgezeigten praktischen Beispielen der politischen Partizipation und „Wege“ sehr zufrieden waren. Das Seminar wurde auch durch das Radio (Deutsche Welle) auf Swahili übersetzt und am 16.05.2017 in mehreren ostafrikanischen Länder ausgestrahlt (Beitrag anhören):ab 8 Min. Allerdings zeigte die Evaluierung auch, dass viele offene Fragen/Wünsche nach politischen Reformen (bspw. in der Markt-, Agrar-, Entwicklungs- und Integrationspolitik) noch unbeantwortet bleiben.

 

 

Auch das zweite Seminar, dass vom 07. bis 09. Juli 2017 in Bonn stattfand, war ein großer Erfolg. Unter dem Motto „Migrantenorganisationen für mehr politische Partizipation stärken“ kamen 23 Teilnehmende zusammen, diskutierten, sammelten Ideen und simulierten kommunale Projekte.

Zunächst führten, analog zum ersten Workshop, Vereinsvertreter unterschiedlicher Migrantenorganisationen aus NRW in den Begriff der politischen Partizipation ein. Joyce Muvunyi stellte anschließend als Fachpromotorin des „European Network of people of African descent“ (ENPAD) unterschiedliche Möglichkeiten zur politischen Teilhabe vor. Dabei ging sie jeweils auf konkrete Handlungsfelder auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene ein.

Serge Palasie (Eine Welt Promotor: Flucht, Migration und Entwicklung in NRW) zeigte mit seinem Vortrag „Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik als zentrale Voraussetzung für mehr politische Partizipation”, dass politische Ziele durch entsprechende Vorbilder einfacher zu realisieren sind.

Ein „Highlight“ war der Vortrag der Journalistin Tina Adomako, die von ihrem persönlichen Werdegang   und über ihr eigenes politisches Engagement berichtete.

Die Frage welche europäischen Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, um die politische Arbeit und Projekte von Migrantenorganisationen zu finanzieren, besprach Abraham Nida (Gründungsmitglied von Migrafrica) mit den Teilnehmenden.

Zum Schluss ging Bibusa Washington Wißeman (CEO und Gründerin von Sensxafrica) darauf ein, wie sich soziale Arbeit bzw. soziales Unternehmertum mit politischer Partizipation verbinden lassen.

Durch die Veranstaltung konnten sich viele Teilnehmende untereinander vernetzen. Eine weitere Veranstaltung rund um das Thema der politischen Partizipation ist für den 08. bis 10. September 2017 geplant.

Den vollständigen Bericht von Herr Serge Palasie „Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik“ finden Sie hier: LINK.

 

Projekt Multiplikatoren+ in Berlin

 

Migrafrica hatte geladen und über 60 Interessierte sind vom 3. bis 5. November in Berlin zum dritten Multiplikatoren+ Workshop zusammengekommen, um über gesellschaftliche Teilhabe und politische Partizipation von Migrant*innen zu diskutieren. Die Veranstaltung begann mit einer Kennenlernrunde, gefolgt von einem Input von Eine Welt Netz (EWN)-Promotor Serge Palasie, der einen kurzen historischen Überblick der Geschichte des Kolonialismus und dessen politische Auswirkungen bis heute gab.

Amanuel Amare stelte kurz den Verein Migrafrica vor, der erst 2013  gegründet wurde und bisher schon über 30 Projekte durchgeführt hat. Auffallend ist, wie wenig die afrikanische Diaspora sich politisch engagiert. „Warum beteiligen sie sich nicht? Fühlen sich nicht angesprochen? Sehen keine Vorbilder?“ fragte Amare. Anschließend versuchten die Teilnehmer*innen auf genau diese Fragen Antworten zu finden und diskutierten in fünf Arbeitsgruppen, wie die afrikanische Diaspora für eine größere Beteiligung an gesellschaftspolitischen Prozessen aktiviert werden könne, ein Ziel, so waren sich die meisten einig, welches nur mit der jungen Generation zu erreichen sei. Die Teilnehmer*innen definierten fünf gesellschaftliche Bereiche, in denen mehr Partizipation von Menschen mit Migrationsbiographien angestrebt werden sollte. In Gruppen diskutieren sie die Hindernisse und Herausforderungen, und zeigten mögliche Wege auf, die zu Veränderungen führen könnten.


Die Gruppe Arbeitsmarktöffnung und Integration von Geflüchteten konstatierte, dass derzeit alle Akteure mehr oder weniger ratlos sind, wie dieses Thema nachhaltig verankert werden kann. Ein Peer-to-Peer Ansatz durch mehr migrantische Organisationen als Anbieter von Maßnahmen würde eine bessere Ansprache gewährleisten.

In einer zweiten Gruppe wurde das Thema Unternehmertum aus zwei unterschiedlichen Perspektiven heraus diskutiert.  Einerseits ging es um Wege in die Selbständigkeit hier in Deutschland und andererseits um  Gründungsperspektiven in den Herkunftsländern. Als große Hürde wurde der erschwerte Zugang von Migrant*innen zu Kreditinstitutionen gesehen, aberber auch ein Unwissen über Beratungsmöglichkeiten und oft eine ungenügende Vorbereitung der Migrant*innen selbst. Hier würde eine bessere Aufklärung über die Voraussetzungen und Anforderungen helfen.

Eine weitere Gruppe setzte sich mit den Themen Ernährung & Bildung auseinander. Mehr offene Bildungsveranstaltungen könnte Geflüchtete sowie die Mehrheitsgesellschaft zu diesen Themen informieren. Fachpromotorin Tina Adomako wies auf das EWN Programm „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE) hin und die Möglichkeit, sich selbst als BtE-Referentin zu bewerben. BtE biete die Möglichkeit, in Schulen oder bei Frauengruppen das Thema Ernährung zu vertiefen. Das Thema Integrationspolitik beschäftigt immer wieder. Auch wenn in den letzten Jahren viel auf dem Weg gebracht worden ist, um die Integration vor allem von Geflüchteten  voranzutreiben, kritisiert die Gruppe, dass die Integrations- und Sprachkurse nicht von allen Geflüchteten in Anspruch genommen werden können. Von den 53 afrikanischen Ländern haben nur Menschen aus Eritrea und Somalia Zugang zu den Angeboten. Die Abschiebungspraxis wurde ebenfalls kritisiert. Eine Forderung war, diese Praxis zu überdenken und Menschen, die schon viele Jahre hier leben und integriert sind, einen legalen Aufenthalt zu ermöglichen. Das sollte vor allem auch für Minderjährige gelten, die hier zur Schule gehen.

Die vierte Gruppe nahm sich das Thema Anti-Rassismus im Kontext von Medien, Schulen und Universitäten an. Hier wurde das Afrika Bild diskutiert, das in Schulen, Institutionen und durch die Medien vermittelt wird. Kritisiert wurde, dass wichtige Aspekte der Geschichte nicht gelehrt werden. Das führe zu einem einseitigen Bild. Eine Anpassung der Curricula, eine bessere Erinnerungskultur – auch an die Rolle Deutschlands in der Geschichte Afrikas – würde die Narrative korrigieren. Identitätsbildend könnten Themenwochen an Schulen sein, die sich mit den diversen kulturellen Identitäten auseinandersetzen, die es nun mal in der Einwanderungsgesellschaft gibt.


„Last but not least“ wurde auch das Thema Entwicklungspolitik (abschaffen) von einer Gruppe diskutiert. Die Teilnehmer*innen waren der Meinung, dass 50 Jahre Entwicklungshilfe keine spürbare Verbesserung für die Bevölkerung Afrikas gebracht habe und fänden es daher besser, wenn Entwicklungshilfe in der jetzigen Form abgeschafft werden würde. Kritisiert wurde, dass viele der geförderten Projekte häufig an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeigingen. Der Marshallplan mit Afrika sei ein Beispiel, der von deutschen Politikern verfasst wurde, ohne die Stimme der afrikanischen Partner zu berücksichtigen. Um die Südperspektive ernster zu nehmen wäre ein Weg, mehr Menschen aus der Diaspora in den politischen Institutionen wie dem BMZ zu beschäftigen. Sie kennen oftmals die Verhältnisse vor Ort besser als die „Expert*innen“, die dahin entsendet werden. Nach der intensiven Arbeit in den Gruppen gab es einen Impulsvortrag von Peter Krahl (BMZ). Er ging auf die positiven Aspekte der Einwanderung ein. Eine demokratische Gesellschaft könne sich nur erhalten, wenn sie offen  für Menschen aus anderen Ländern sei. Krahl gab Einblicke in die Arbeit des Ministeriums, und wie diese sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt habe. Er unterstrich, dass die Diaspora ein riesiges Potenzial habe zur Entwicklung in den Herkunftsländern beizutragen. Das zeige sich auch an den riesigen Summen der „Remittances“, die in den globalen Süden fließen und die das weltweite Entwicklungshilfe-Budget weit übersteigen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es mit einer lebhaften Podiumsdiskussion weiter, in der sich Peter Krahl, Serge Palasie und Aminata Touré (Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein) den Fragen der Teilnehmer*innen stellten. Vor allem Aminata Touré musste sehr viele Fragen beantworten. Sie schilderte ihren Lebensweg als Kind von Geflüchteten, ihre Motivation sich als „schwarze Frau“ für die Belange von Migrant*innen und Verbraucher*innen einzusetzen und ihren Weg in die Politik.  Sie ermutigte die Teilnehmer*innen, sich in die Parteien hinein zu trauen. Bevor die Teilnehmer*innen wieder abreisten, reflektierten sie die Veranstaltung  gemeinsam. Für viele war das Multiplikatoren+ Wochenende ihr erster Besuch auf einer Veranstaltung, in der es um für sie relevante Inhalte bezüglich entwicklungspolitischer und politischer Partizipation ging. Sie fühlten sich durch die Veranstaltung gestärkt und ermutigt, sich gezielter für ihre Themen einzusetzen.

Aber auch die Teilnehmer*innen, die bereits in Vereinen und Initiativen aktiv sind oder schon lange in Deutschland leben, konnten Impulse für sich und die Arbeit in ihren Organisationen mitnehmen.

 

Wir bedanken uns bei der Bundeszentrale für politische Bildung für die freundliche Unterstützung.

 

 

 

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