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Förderung junger Migranten - Migrafrica
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Förderung junger Migranten

Pädagogisches Konzept des Vereins Migrafrica im Bereich Inklusion/Integration

In unserer Funktion als kommunikative Schnittstelle zwischen jungen Ratsuchenden und öffentlichen Institutionen beraten, begleiten und fördern wir junge Menschen insb. mit Migrations- und Fluchtgeschichte in folgenden Tätigkeitsfeldern und Bereichen:

 

Asylrechtsberatung

  • Begleitung bei Behördengängen und Rechtsverfahren
  • Information zu aufenthaltsrechtlichen Belangen
  • Vermittlung von Anwälten und Rechtshilfe
  • Dolmetschen und Übersetzen

Bildung und Arbeit

Kultur und Freizeit

  • Information und Beratung sowie Vermittlung an geeignete Träger in den Bereichen Freizeit-, Kultur- und Sport
  • Vernetzung mit anderen Trägern und Organisationen sowie Maßnahmen

 

Unsere Arbeit fußt dabei stets auf den folgenden pädagogischen Prinzipien:

  1. Aufbau nachhaltiger und langfristiger Vertrauensbeziehungen

Als migrantische Organisation beschäftigen wir Menschen mit eigener Flucht- und Migrationsgeschichte, die auf Basis ihrer eigenen Biografie und Erfahrungswelt besonders befähigt sind, die Lebenssituation und Perspektive Ratsuchender zu verstehen und so eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und Vertrauen in Institutionen schaffen können. Sie dienen als Vorbilder*innen und wissen am besten, was soziale und berufliche Integration bedeutet. Sie sprechen in vielen Fällen die Erstsprache der Teilnehmenden und bieten so einen „sprachlichen Schutzraum“ in dem Ratsuchende sich sicher fühlen.
Der Mensch steht bei unserer Arbeit im Mittelpunkt. Durch aktives Zuhören ermitteln wir Bedarfe, Wünsche, Ziele und Methoden um einen positiven Entwicklungsprozess zu unterstützen und beziehen die ratsuchenden Menschen von vornherein in Entscheidungsprozesse mit ein und konzipieren unsere Projekte und Tätigkeiten auf Basis der Bedarfe der Teilnehmenden. Dies schafft eine hohe Identifikation mit unserer Arbeit und versetzt die jungen Menschen in eine aktive, gestaltende Rolle. Sorgen und Bedürfnisse werden ernst genommen. Zukunftsperspektiven werden gemeinsam entwickelt.

 

  1. Partizipation und Teilhabe

Um diese Möglichkeiten der Partizipation und Teilhabe zu schaffen, orientieren wir uns am Konzept der CLEAR Modell. Menschen können dann mitreden, mitentscheiden, mitwirken wenn einige grundlegende Voraussetzungen beachtet werden.

C – Can do:
Haben Teilnehmende die Ressourcen und das Wissen aktiv teilzuhaben? Wie müssen Maßnahmen angepasst werden um dies zu gewährleisten?
L – Like to:
Besteht eine Verbundenheit zum Vorhaben und die Motivation mitzumachen? Gibt es einen konkreten Nutzen, eine Aussicht auf einen positiven Verlauf?
E – Enabled to:
Werden Möglichkeiten und Ressourcen für eine Teilnahme zur Verfügung gestellt und berücksichtigt?
A – Asked to:
Wurden die Menschen in die Gestaltung der Angebote miteinbezogen? Wurden sie bei der Entscheidung über Inhalt und Form gefragt? Werden Änderungsvorschläge berücksichtigt?
R – Responded to:
Gab es realistische Chancen Ziele zu verwirklichen? Woran können diese gemessen werden? Wird das Angebot angenommen, weil es Erfolg verspricht?

Für die Zielgruppe junger, geflüchteter Menschen stellen einige dieser Voraussetzungen Hürden dar, die oftmals wenig beachtet oder nicht überwunden werden können und so Partizipationsmöglichkeiten einschränken und strukturelle Hierarchien verfestigen. Wir versuchen deshalb durchgehend, potentielle (unsichtbare) Barrieren zu antizipieren, zu reflektieren und zu überwinden.

  1. Ressourcenorientierung

Junge Menschen, die sich an uns wenden verfügen über einen großen Schatz an Kompetenzen und Stärken, die ihnen leider oftmals selbst nicht bewusst sind. Wir setzen deshalb auf eine Orientierung an Potentialen und positiven Ressourcen bei den Menschen selbst, in ihrem familiären Umfeld und im Sozialraum.
Wir achten im Rahmen des Appreciative Inquiry Ansatzes auf eine Fokussierung auf all dem was klappt, was gut ist und was funktioniert und entwickeln auf dieser Basis Wünsche und Träume, die mit unserer Unterstützung individualisiert und selbstbestimmt zu konkreten Maßnahmen und Handlungen führen, die wiederum reflektiert und als Grundlage für weitere Zielsetzungen dienen.

 

  1. Mehrperspektivität und Multiprofessionalität

Wir gehen in jedem individuellen Fall davon aus, dass konkrete Anliegen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden können und unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Motiven für ein und dieselbe Sache unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten und Methoden benötigen, um ihre Ziele zu verwirklichen. Wir sind durch unser multiprofessionelles Team aus Mitarbeitenden verschiedenster Fachbereiche in der Lage, eine Vielzahl an möglichen Perspektiven zu aktivieren und fachliche Expertise einzubringen.

  1. Nicht-Direktive Beratung

Wir sehen die Ratsuchenden in unseren Beratungsformaten als Expert*innen für sich selbst. Nicht-direktive Beratung zeichnet sich dadurch aus, dass Ratsuchende/Lernende einen hohen Gesprächsanteil haben und bei der Entwicklung eigener Lösungsansätze begleitet werden. Beratende hören aktiv zu, stellen konkrete Fragen (ergebnisorientierte Fragen) um Beratenen das Reden zu erleichtern, erteilen keine Ratschläge, erzeugen keine Autorität, sondern erkennen die Einstellungen und die Verantwortung der Beratenden für sich selbst an. Sie lenken Gespräche auf relevante Themenbereiche, diktieren jedoch nicht den Verlauf. Sie zeichnen sich aus durch Empathie, Akzeptanz, Kongruenz und Transparenz. Reden über Lösungen schafft Lösungen.

  1. Handlungsorientierung

In allen „Settings“, in denen Ratsuchende zu Lernenden werden, orientieren wir uns am Grundsatz der Handlungsorientierung, der die zuvor beschriebene Ausrichtung auf die Entwicklung eigener Zielperspektiven methodisch auch im Wissenstransfer zur Anwendung bringt.
Handlungsorientierter Wissenstransfer ist interessegesteuert und orientiert sich an konkreten, authentischen Anlässen und Situationen. Da ein Großteil unserer Arbeit immer auch in einen Spracherwerbskontext und die Entwicklung bedarfsgerechter kommunikativer Kompetenzen eingebettet ist, achten wir besonders darauf, dass Lernende und Ratsuchende relevante kommunikative Rollen einnehmen, die sich nicht ausschließlich auf das Annehmen und die Rezeption von Inhalten beschränken, sondern die Gelegenheit bieten, eigenes Wissen und Interessen zu berücksichtigen und den Lernprozess interaktiv mitzugestalten. Wir sind überzeugt, dass Lernen allgemein genau dann funktioniert, wenn Inhalte unter Einbezug der Lernenden so gestaltet sind, dass deren Bearbeitung oder Lösung eine reale Relevanz und einen konkreten Nutzen im Alltag zur Folge hat.
Wir sehen deshalb konkrete Anlässe und Bedarfe als Anlass zur Entwicklung von Wissen und Kompetenzen und stellen ein ausreichendes Gerüst an inhaltlicher und methodischer Unterstützung bereit, geben Ratsuchenden jedoch die Möglichkeit, ihre Anliegen selbst und aktiv zu bearbeiten. Daraus folgt Anerkennung und damit die Förderung von Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Autonomie und motiviert junge Menschen zukünftige Situationen selbst in die Hand zu nehmen und sich bei Bedarf geeignete Unterstützung einzuholen.

  1. Mehrsprachigkeit und Sprachsensibilität

Wir leben Mehrsprachigkeit. Durch die unterschiedlichen Erstsprachen und Zweit- und Fremdsprachenkenntnisse unserer Mitarbeitenden sind Herkunftssprachen selbstverständlicherweise hörbar, sichtbar und Teil unserer Organisationskultur. Dies schafft eine Atmosphäre, in der die Bedeutung von Sprache hinsichtlich der Akzeptanz von Identität und Kultur ernstgenommen und respektiert wird. Wir beraten, unterstützen, begleiten und arbeiten auf Deutsch, bieten jedoch jederzeit Raum Herkunftssprachen miteinzubeziehen, sie als wichtige Ressource zu nutzen und Ratsuchende Lehrende werden zu lassen, in dem sich unsere Mitarbeitenden für die Sprachkenntnisse der Ratsuchenden interessieren und selbst die Lernerrolle einnehmen.
In unserer Arbeit auf Deutsch achten wir insbesondere auf Sprachsensibilität. Unsere pädagogischen Mitarbeitenden haben fundierte Kenntnisse in der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache und sind so in der Lage, die Komplexität und Variabilität der deutschen Sprache, beispielsweise durch die Vermeidung hochkomplexer grammatischer Strukturen oder den bewussten Einsatz von Pausen und Wiederholungen so anzupassen, dass Ratsuchende verstehen, jedoch ohne dabei nicht-authentische oder künstliche Äußerungen zu produzieren.

  1. Neutralität und Unabhängigkeit

Als gemeinnütziger Verein sind wir politisch, ethnisch und religiös neutral. Wir agieren unabhängig von staatlichen Strukturen und orientieren uns, auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, ausschließlich an den Bedarfen, Wünschen und Zielen der Menschen, die bei uns Rat suchen.

 

 

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