Gemeinsames Essen verbindet und lässt Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander in den (kulinarischen) Austausch treten. Welche Möglichkeiten das Restaurant als interkulturellen Begegnungsort bietet, diese Erfahrung durften wir bei Migrafrica bereits im Sommer 2019 im Rahmen des Projektes Workkompass Plus im stationären Pop-Up Restaurant „Laden ein“ in Köln machen. Mit teilnehmenden geflüchteten Menschen konnten wir das Restaurant als Lernort unter realen Bedingungen nutzen und so motivierende Erfahrungen in der Gastronomie sammeln.

Nach einer erfolgreichen Testphase im Pop-Up Restaurant wurde das Potential, das in der Vernetzung geflüchteter Menschen und gastronomischer Betriebe verborgen liegt, umso deutlicher. Aus dieser Erkenntnis entstand das Projekt Gastro 8.0., das wir nun 2021/2022 umsetzen dürfen.

Projektvorstellung

Gastro 8.0 ist Teil der Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ und wird gemeinsam vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) und vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) getragen. Im Rahmen des 5. Förderbausteins, des Innovationsfonds, werden kreative Projektideen und modellhafte Einzelvorhaben gefördert, die zum einen das Ziel haben Geflüchtete in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln und zum anderen Betriebe bei ihrer Ausbildung und Beschäftigung zu unterstützen.

Das Projekt Gastro 8.0 bietet Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte und ungeklärtem Aufenthaltsstatus ein gastronomisches Qualifizierungsprogramm, das ihnen einen einfacheren und nachhaltigen Einstieg in eine Beschäftigung ermöglichen soll. Dafür werden berufsbezogene fachpraktische, fachtheoretische und sprachliche Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt.

Darunter fallen u.a. folgende Qualifizierungsbereiche:
- Einhaltung von Hygienestandards (Kühlkette, Personalhygiene, Lagerung von Lebensmitteln, etc.).                                                                                                     
- Gästebetreuung, Kundenorientierung, berufliche Freundlichkeit
- Bedienung von modernen Küchengeräten
- Arbeitssicherheit
- Arbeitsplanung, Schichtpläne
- Berufsbezogenes Kommunikationstraining (Fach- und Sprachtraining)

Wenn du mehr über das Qualifizierungsprogramm erfahren möchtest, folge diesem Link!

Kooperierenden gastronomischen Betrieben soll durch die Teilnahme am Projekt der Zugang zu Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund und Interesse an der Arbeit in der Gastronomie erleichtert und Ausbildungsabbrüchen entgegengewirkt werden. Unsere Kooperationspartner können das Qualifizierungsprogramm aktiv mit gestalten und werden von uns zu Themen wie bspw. Vielfaltskompetenz sensibilisiert und informiert. Wir verbinden beide Seiten und überbrücken mögliche Hindernisse. Das Ziel ist die Entstehung von Netzwerken und Patenschaften.

Zu unseren aktuellen Kooperationspartnern zählen DEHOGA Nordrhein e.V., Pottkind, Brauhaus Johann Schäfer, Bagatelle, Alte Feurwache, Freddy Schilling, Goldmund Literatur Café und die Bürgerzentren Ehrenfeld und Deutz. 

Für den Projektflyer klicke HIER !

Die Wichtigkeit unseres Projekts wird auch durch die derzeitige Situation verdeutlicht. Seit Beginn der Corona Pandemie haben mehr Personen denn je den gastronomischen Sektor verlassen. Viele Gastronomiebetriebe spüren die Auswirkungen – es fehlen Fachkräfte. Abhilfe ist nicht in Sicht und auch viele Azubis brechen ihre Ausbildung ab. Mit dem Projekt Gastro 8.0 können wir dem entgegenwirken.

Bisherige Ereignisse und Erfolge

Aktueller Stand und Rückblick erstes Projektlaufjahr (Februar 2022) 

Im ersten Projektlaufjahr konnten wir mit unserem Qualifizierungsprogramm 31 Teilnehmer*innen erreichen, wovon schon 8 Personen in eine Ausbildung und 2 in Praktika vermittelt wurden. Durch die weitere Begleitung ehemaliger Teilnehmender rechnen wir mit weiteren Anbindungen. Unsere Teilnehmer*innen konnten zudem neben unserem Programm einen Sprachkurs beim Integrationshaus e.V. Köln absolvieren und mit dem Niveau B1 abschließen. Einer unserer größten Projekterfolge bleibt, dass unser Programm den Teilnehmer*innen Struktur, einen Einblick in die Arbeitswelt und eine Orientierung für ihr weiteres Vorgehen gibt, auch wenn sie sich später für einen anderen beruflichen Weg entscheiden. 

Insgesamt konnten wir innerhalb des ersten Projektjahres ein großes und vielversprechendes Netzwerk an Unterstützer*Innen, Betrieben, Kooperationspartner*Innen und Multiplikator*Innen aufbauen. Außerdem pflegen wir eine gewinnbringende Zusammenarbeit mit weiteren Kölner Vereinen und der Stadt Köln. Durch die steigende Bekanntheit des Projekts wächst auch unser Netzwerk stetig weiter. So entstehen aktuell spannende Synergien und eine zunehmende, Vernetzung mit potentiellen Arbeitgebenden. So planen wir weitere Transferveranstaltungen, wie bspw. ein Street-Food-Festival mit den Unternehmen und Teilnehmenden sowie den Ausbau unserer Antidiskriminierungsarbeit.  

Diese Erfahrungen bestärken uns in dem Vorhaben, das Projekt Gastro 8.0 langfristig zu etablieren. In unserem zweiten Präsenztreffen mit dem stellvertretenden Ministerpräsident Dr. Stamp im Landtag NRW konnten wir diese Gegebenheiten präzise schildern und das große Potential des Projekts unterstreichen. 

Die Erfolge des ersten Projektjahres und einen Einblick in unsere Arbeit sowie die Situation unserer Teilnehmenden in den Betrieben haben wir in folgendem Film festgehalten:

Nach dem ersten erfolgreichen Projektlaufjahr blicken wir gespannt und voller Tatendrang in die Zukunft. 

Wir bedanken uns bei unseren Teilnehmenden, dem Kommunalen Integrationszentrum Köln, dem Brauhaus Johann Schäfer und Gaffel am Dom sowie Herrn Dr. Minister Stamp und dem MKFFI für die Unterstützung und gute Zusammenarbeit.  

Einblick in die Qualifizierung (November 2021)

Seit Anfang Oktober findet der zweite Durchgang unseres Programms Gastro 8.0 statt. In den Seminarräumen und der professionell ausgestatteten Lernküche bei INVIA werden aktuell 13 Personen mit Fluchterfahrung für eine Ausbildung oder Arbeit in der Gastronomie qualifiziert. Die Begeisterung für die Gastronomie ist weiterhin groß. Denn so vielseitig wie die Bereiche in der Gastronomie, sind auch die Berufswünsche der Teilnehmer*innen und reichen von Hotelfachmann bis zur Konditorin. Neben dem fortlaufend validierten theoretischen und praktischen Unterricht gehören diesmal auch thematisch ergänzende Exkursionen zu gastronomischen Betrieben, Fachhandlungen für Arbeitskleidung oder Großmärkten zum Programm. Der Unterrichtsbesuch von Expert*innen wie verschiedene Gastronom*innen oder ehemaligen Auszubildenden hat sich bereits in der letzten Durchführung bewährt und ist daher auch diesmal ein fester Bestandteil der Qualifizierung. Hinzu kommt ausserdem die Begleitung der in Ausbildung oder Arbeit vermittelten Personen aus dem ersten Durchgang.

Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten NRW, Dr. Joachim Stamp, und der Oberbürgermeisterin Köln, Henriette Reker, am 12.08.2021

Letzte Woche hatten unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Joachim Stamp, die Möglichkeit mehrere Projekte der Landesinitiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ zu besuchen und vor Ort zu erleben, wie diese umgesetzt werden.

Neben dem Projekt „Kultur-mobil“ von IN VIA konnten auch wir unser Projekt Gastro 8.0 vorstellen. Diese Vorstellung beinhaltete nicht nur die Präsentation des Projekts und dessen aktuellen Stands, sondern auch eine Demonstration der Kenntnisse und Fertigkeiten, die unser Programm vermittelt.

Und zwar lag die Planung und Umsetzung der Dekoration und Verpflegung der Veranstaltung in den Händen unseres Gastro-Teams. Das "Flying Buffet" für 60 Personen wurde mit den Teilneher*innen des ersten Durchgangs vom Projekt Gastro 8.0. geplant, zubereitet und serviert. So konnten unsere Teilnehmer*innen erneut theoretische Kenntnisse in der Praxis erproben und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten sichtbar machen.

Bei schönem Wetter und freundlicher Atmosphäre konnte während der Veranstaltung ein Austausch zwischen Politik, den Projektträger*innen, Teilnehmer*innen und Arbeitgeber*innen ermöglicht werden, wobei die Teilnehmer*innen auch ihre Stärken und Anliegen kommunizierten.

Die Notwendigkeit und Win-Win-Situation des Projekts Gastro 8.0 wurde in diesem Treffen erneut verdeutlicht. Die gastronomischen Betriebe, vertreten durch das Brauhaus Johann Schäfer  sowie des DEHOGA, teilten den enormen Bedarf an Fachkräften mit. Denn 275.000 Fachkräfte, Aushilfen und Werkstudent*innen haben zuletzt den gastronomischen Sektor verlassen. Ein Projekt, wie das Projekt Gastro 8.0, hat das Potential Hindernisse zu überwinden und dabei zu unterstützen diesen Bedarf zu decken.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für eine gelungene Veranstaltung.

Zwischenstand des Projekts Gastro 8.0 (Juni 2021)

Ausbildungsvertrag! Gratulation

Derzeit sind wir mitten in der Durchführung des ersten Durchgangs der Qualifizierungsmaßnahme. Obwohl zu Beginn des Programms in Köln ein strenger Lockdown gegolten hat, von dem auch der Bereich Gastronomie sehr betroffen war, konnten wir durch eine flexible Anpassung die Qualifizierung digital durchführen und somit 14 Teilnehmer*innen aus der Zielgruppe und acht kooperierende Betriebe in Köln erreichen.

Mit den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen, ist es aktuell möglich die Qualifizierung in Präsenz durchführen. Momentan werden drei Mal pro Woche in den Räumlichkeiten der Alten Feuerwache Köln sowie in der Küche und dem Gästebereich des Restaurants Bagatelle fachpraktische und theoretische Kenntnisse vermittelt und erprobt. Zusätzlich besuchen die Teilnehmer*innen einen begleitenden Sprachkurs im Integrationshaus in Köln.

Durch den engen Austausch mit den Betrieben und der DEHOGA, sowie den umfassenden Kenntnissen der mitarbeitenden gastronomischen Fachkraft des Projekts, wird das Programm fortlaufend validiert und angepasst. So erhielten die Teilnehmenden beispielweise durch den Besuch von Herrn Till Riekenbrauk, Betreiber des Brauhauses Johann Schäfer und Vorstandsmitglied der IG Kölner Gastro sowie Herr Gordon Kleebaum, Präsidiumsmitglied NRW und Cluster-Manager Ibis Hotels Düsseldorf, realitätsgetreue Einblicke in die Arbeit und die Anforderungen in der Gastronomie. Mit der Öffnung der Gastronomie wurde auch der Bedarf sowie die Offenheit der Kölner Gastronomen dem Projekt gegenüber erneut deutlich. Schon jetzt konnten wir vier Personen erfolgreich in eine Kochausbildung und eine Person in eine Tätigkeit vermitteln.

Was benötigen wir gegenwärtig?

Für den Start des dritten Durchlaufs der Qualifizierung, voraussichtlich Anfang März 2022, suchen wir ab sofort Teilnehmer*innen. Wenn ihr selbst teilnehmen möchtet, oder jemanden kennt, den das Projekt interessieren könnte, meldet euch gerne bei uns!

Außerdem benötigen wir fortlaufend Ehrenamtliche, die z.B. ein Sprachtandem mit einem der Teilnehmer*innen übernehmen möchten.

Zudem sind wir offen für Kooperationen mit weiteren gastronomischen Betrieben. Je vielfältiger unsere Kooperationspartner, desto passender können Teilnehmende und Betriebe zusammenfinden. Kontaktiert uns gerne für mehr Informationen! Beteilige auch du dich mit deinem Betrieb am Projekt Gastro 8.0 und nutze vorhandenes Potential!

Wir bedanken uns beim Kommunalen Integrationszentrum Köln und der Stadt Köln für die gute Zusammenarbeit und beim MAGS und MKFFI für die freundliche Unterstützung!

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