Mit der Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ hat das Land NRW ein Programm für junge, geflüchtete Menschen ins Leben gerufen, die keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu Förderung und zu Integrationskursen haben. Künftig können sie durch die Initiative erstmals an Angeboten zur Integration in Arbeit und Ausbildung teilnehmen. Es handelt sich hier vornehmlich um Geflüchtete mit einer Duldung oder Aufenthaltsgestattung, somit Menschen mit ungeklärter oder unsicherer Bleibeperspektive.
Mit insgesamt sechs Förderbausteinen werden ihre Bildungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungschancen bedarfsorientierter und nachhaltiger gestaltet.
Bei den sechs Bausteinen handelt es sich im Einzelnen um:
1. Jobcoaching
2. Berufsbegleitende Qualifizierung (durch das BAMF)
3. Nachholen des Hauptschulabschlusses
4. Schul-, ausbildungs- und berufsvorbereitende Kurse sowie Jugendintegrationskurse
5. Innovationsfonds
6. Teilhabemanagement (bereits in Durchführung/ Landesinitiative Gemeinsam klappt’s)


Auftaktveranstaltung im Rahmen des Projekts Durchstarten in Ausbildung und Arbeit Okt. 2020

MIGRAFRICA führt in Kooperation mit unserem Partnerverein Jama Nyeta e.V. im Rahmen der Landesinitiative den Baustein 1 „Jobcoaching“ durch. Beim Jobcoaching handelt es sich um bedarfsorientiertes Coaching in Einzelbetreuung zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsmarkt. Im Rahmen dieses Programms erarbeiten wir gemeinsam mit den Teilnehmenden berufliche Perspektiven, informieren sie über den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, knüpfen Kontakte zu Unternehmen und unterstützen im gesamten Bewerbungsprozess.

Was wird hierbei vermittelt

• Erkennung, Entwicklung und Förderung von (Schlüssel-)Kompetenzen, zum Beispiel:
• persönliche Kompetenzen (unter anderem Motivation, Leistungsfähigkeit, Selbstbild, Selbsteinschätzung, Selbstsicherheit, Selbständigkeit und Selbstverantwortung)
• soziale Kompetenzen (unter anderem Kommunikationsfähigkeit, Kooperation und Teamfähigkeit sowie Kritik- und Konfliktfähigkeit)
• berufliche Kompetenzen (unter anderem Lernfähigkeit, Einordnung und Bewertung von Wissen, Arbeitsorganisation, Problemlösungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit)
• interkulturelle Kompetenzen (unter anderem Offenheit, Empathie, Verständnis und Toleranz)
• Berufsorientierung
• Konflikt- und Krisenintervention
• Alltagspraktische Unterstützung


Auftaktveranstaltung im Rahmen des Projekts Durchstarten in Ausbildung und Arbeit Okt. 2020

Welche Ziele werden erreicht

Mit dem Coaching

• wird eine Betreuung sowie Begleitung der Teilnehmenden vor, während und im Anschluss an Fördermaßnahmen ermöglicht (zum Beispiel im Anschluss an den Förderbaustein berufsbegleitende Qualifizierung und/oder Sprachförderung oder den Baustein nachträglicher Erwerb des Hauptschulabschlusses).
• individuelle Probleme werden frühzeitig aufgegriffen und Maßnahme-, Ausbildungs- und Beschäftigungsabbrüche verhindert
• es wird zur Stabilisierung und Festigung der Teilnehmenden und ihrer Ausbildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit beigetragen.
• das Leistungsniveau der Teilnehmenden wird gesteigert und eine dauerhafte Eingliederung unterstützt.
• bei Bedarf werden die Arbeitgeber der Teilnehmenden unterstützt.

In unserem Coaching arbeiten wir mit Pat:innen mit ähnlicher Migrations- und Fluchtgeschichte. Die Paten sind selbst nach Deutschland geflüchtet und haben hier den beschwerlichen Weg von Erstorientierung, Spracherwerb und beruflicher Integration erfolgreich bewältigt. Sie wissen am besten mit welchen Herausforderungen die Jugendlichen zu kämpfen haben, sprechen die Erstsprachen der Teilnehmenden und kennen beide „Kulturen“. Sie agieren als Vorbilder*innen und Motivationstrainer, aktiveren die Potentiale und Kompetenzen der Jugendlichen und stehen bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Die Jugendlichen können sich in den Paten sprichwörtlich wiedererkennen und sehen, dass die Verwirklichung ihrer beruflichen Ziele möglich und machbar sind.
Wir sind davon überzeugt, dass der Einsatz von Pat:innen einer der entscheidenden Faktoren zu einer erfolgreichen Inklusion nicht nur in den Arbeitsmarkt, sondern gesellschaftlich insgesamt darstellt. Sie sind besonders gut in der Lage, stabile Vertrauensverhältnisse zu unseren Teilnehmenden aufzubauen und sie langfristig an das Projekt und unseren Verein zu binden.
Das Coaching richtet sich somit sowohl an Jugendliche, die noch die Schule besuchen und nun die ersten Schritte in der Berufsorientierung gehen möchten als auch an solche, die sich bereits in Beschäftigung oder Ausbildung befinden. Hier ist es besonders wichtig, alle Möglichkeiten an Unterstützung zu aktivieren, damit die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Besonders die Anforderungen in der Berufsschule bereiten den Jugendlichen aufgrund fehlender, flächendeckender Etablierung von sprachsensiblem Fachunterricht teilweise große Schwierigkeiten. Hinzu kommen fehlende oder nur eingeschränkte Bildungserfahrungen aus den Herkunftsländern und die großen Unterschiede in den Bildungssystemen und didaktischen Philosophien.

Spätestens seit Beginn der Corona-Krise gerät zudem das Thema Digitale Teilhabe stark in den Fokus. Lernen wird immer weiter digitalisiert. Viele unserer Teilnehmenden besitzen nicht die technischen Geräte für eine reibungslose Teilnahme an online-gestütztem Unterricht und haben wenig oder keine Erfahrung im Umgang mit Computern oder digitaler Technik. Wir bieten deshalb und zusätzlich seit Ende September einen zweimal wöchentlich stattfindenden Computerkurs an. Dort lernen die Jugendlichen den Umgang mit Laptops, Handhabung der Technik, Erstellen von Texten in MS Office oder wie man eine PDF-Datei erstellt und als Anhang in einer E-Mail versendet. Besonders im Bezug auf die möglicherweise kommenden weiteren Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie ist es besonders wichtig, die Teilnehmenden digital fit zu machen, damit unser Coaching online (bspw. über Videotelefonie) weitergehen kann und die grundlegenden Kompetenzen für ein etwaiges Homeschooling entwickelt werden.

Seit Projektbeginn zum 1. September 2020 haben wir zur Aktivierung der Teilnehmenden bisher folgende Aktivitäten durchgeführt:
1. Veranstaltung „Auftakt der Löwen“ am 26.09.20 in unseren Räumlichkeiten in der Koblenzer Straße 11
Anzahl der Teilnehmenden: 8
Inhalte: Informationen zum Programm und erste Beratungen
gemeinsames Mittagessen
Bewerbungsfotos

2. Veranstaltung „Auftakt der Löwen 2“ am 21.10.20 im Kapitelsaal bei INVIA
Teilnehmendenzahl: 19
Inhalte: Informationen zum Programm, Bedarfsanalyse und Wünsche der Zielgruppe, Anmeldeverfahren, Informationen zum Computerkurs und gemeinsamer Fußballgruppe
Bewerbungsfotos


Freizeitgestaltung im Rahmen des Projekts Durchstarten in Ausbildung und Arbeit Okt 2020

3. Gemeinsames Fußballspielen im Soccerdome in Lövenich am 25.10.20
Teilnehmendenzahl: 10
Gemeinsames Essen nach dem Spielen

4. Netzwerktreffen im Rahmen der Landesinitiative
Vorstellung bei den Teilhabemanagerinnen Sarah Dobrosch (Katholische Jugendagentur Köln) und Katharina Jukowski (Caritas Köln)
Planung einer weiteren Auftaktveranstaltung mit Promo Guineé e.V.
Vernetzung und Absprache mit Jobcoach Jonas Lang von Coach e.V.
Teilnahme an den Trägertreffen im Baustein 1 am 25.08.20, 29.09.20 und 28.10.20 im Kommunalen Integrationszentrum
Wir haben durch unsere Aktivitäten bisher 28 Geflüchtete erreicht, von denen die Hälfte regelmäßig einmal pro Woche am Jobcoaching teilnimmt.
Nach den ersten positiven Erfahrungen aktivieren die Jugendlichen nun selbst weitere Teilnehmende, sodass wir bis Ende des Jahres den vom Land veranschlagten Betreuungsschlüssel von 1:20 erreichen werden.

Wir blicken trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise positiv in die Zukunft und sind davon überzeugt, dass unser konzeptioneller Ansatz eine echte Unterstützung für die Zielgruppe darstellt. Unsere Basis heißt Vertrauen.

Wir bedanken uns bei der Landesregierung die freundliche Unterstützung

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