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ConnAct+ - Migrafrica
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ConnAct+

Das Theaterprojekt ConnAct mehrheitlich an der Werner-von-Siemens-Schule in Köln für Internationale Förderklassen und Regeklassen implementiert wird, ist der Auftakt einer neuen Projektreihe von Migrafrica, die Integration mit interkulturellem und künstlerischem Lernen verknüpft. Die Internationalen Förderklassen der Werner-von-Siemens-Berufsschule richten sich an junge Menschen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben. Der Alltag dieser Jugendlichen wird insbesondere geprägt durch Erfahrungen vor und während der Flucht/Migration sowie teils durch ihren rechtlichen, häufig unsicheren Aufenthaltsstatus und ihre soziale Lage.


Die Bundesagentur für Politische Bildung gibt an, dass ein Flucht- bzw. Migrationshintergrund von vielen Menschen nicht nur als Unterscheidungsmerkmal, sondern zumeist auch als Defizit wahrgenommen wird. Die Talente und Fähigkeiten, die sie besitzen werden so oftmals nicht ausreichend wahrgenommen. Diese Stilisierung wirkt sich häufig negativ auf das Selbstbild aus und kann internalisiert werden. Die Schüler*innen zeigen entsprechend Schwierigkeiten, ihre eigenen Stärken und Wünsche zu reflektieren sowie das nötige Selbstbewusstsein aufrechtzuerhalten, um eigene berufliche und private Visionen zu entwickeln und zu verfolgen. Viele Schüler*innen können durch die negative Spiegelung durch die Mehrheitsbevölkerung oft nicht das nötige Selbstbewusstsein aufrechterhalten, um eigene berufliche und private Visionen zu entwickeln, kontinuierlich zu verfolgen und den Mut zu haben, Kontakte zu Gleichaltrigen aus Deutschland aufzubauen. Dies wird in Berufskollegen durch die Aufteilung der Schüler*innen in Integrations- und Regelklassen verstärkt. Die fehlende Gelegenheit an Schüler-AGs teilzunehmen führt dazu, dass es kaum zu Begegnungen zwischen den Schüler*innengruppen kommt. Dies begünstigt eine fremdenfeindliche Einstellung in der Mehrheitsbevölkerung weshalb Migrafrica als Migrantenorganisation den Schüler*innen einen kreativen Raum des Empowerments und der Begegnung bieten möchte.


Im Rahmen des Theaterworkshops entwickeln die Schüler*innen eine Szenencollage, die die Träume, die Wertvorstellungen und individuellen Stärken der Schüler*innen in den Fokus nimmt. Das Projekt soll Anlass geben, über die eigenen Ressourcen zu reflektieren und den persönlichen, interkulturellen Hintergrund nicht als Defizit, sondern als Stärke zu deuten. Aus diesen Erfahrungen sollen Handlungsoptionen entwickelt werden, die ihnen eine erfolgreiche Partizipation in der Gesellschaft ermöglichen und bei der Berufsorientierung helfen können.


Die Theaterpädagogik mit ihren vielseitigen Methoden eignet sich aus der Sicht von Migrafrica besonders gut, um einen interkulturellen Dialog zu fördern und junge Menschen individuell zu stärken. Durch Methoden des Biografischen Theaters können die Lebenserfahrungen der Teilnehmer*innen umfangreich generiert werden, indem ein spielerischer Ansatz Hemmschwellen der Kommunikation abbaut. Inhalte werden hierbei für eine Performance zum Schutz der Teilnehmenden abstrahiert oder verfremdet.


Übungen des Bewegungstheaters bieten neben dem kognitiven Verstehen einen primär körperlichen Zugang zu den verhandelten Themen. Die Erkundung des eigenen Körpers schärft unter anderem die Selbstwahrnehmung, trainiert die Fähigkeit zur Gruppenintegration und steigert die Ausdrucksfähigkeit. Gleichzeitig bieten die Mittel des Bewegungstheaters auch Menschen, die die deutsche Sprache gegenwärtig nicht gut beherrschen, eine Möglichkeit sich Ausdruck zu verleihen.


Das situativ eingebettete Sprechen in Szenen und in Improvisationen ist nebenbei ein wirklichkeitsnahes Kommunikationstraining, das alle Facetten menschlicher Interaktion abdeckt.


Das Projekt bietet insgesamt die Gelegenheit die Kommunikationsfähigkeiten der Schüler*innen mit Flucht und Migrationsgeschichte zu fördern. Teilnehmende können somit ihre Wünschen und Meinungen leichter zum Ausdruck bringen, was ihnen wiederum die aktive Gestaltung ihrer sozialen und politischen Partizipation vereinfacht.


Durch Anregungen kreativer Prozesse können die Teilnehmenden ihr eigenes kreatives Potenzial erkennen und entfalten. Durch das prozessorientierte Arbeiten und die eigene Entwicklung der Stücke können die individuellen Geschichten der Teilnehmenden zum Ausdruck gebracht werden. Die Möglichkeit, neue Denkimpulse durch die Aufführung im schulischen Rahmen zu setzten, kann für die Teilnehmer*innen eine wichtige Selbstwirksamkeitserfahrung sein. Somit dient das Projekt dem Handlungsfeld der Gestaltung des Integrationsdiskurses in der Schule und trägt zu einem offeneren Schulklima bei.


Erfolgsstory


Das Projekt ist seit September 2019 angelaufen. Die Schüler*innen konnten bisher das Theater und Schauspiel durch verschiedenste Übungen kennenlernen. Neben jeder Menge Spaß konnten die Schüler*innen wichtige Fähigkeiten erproben, wie die Zusammenarbeit im Team oder das selbstbewusste Sprechen vor einer Gruppe. Auch einzelne Szenen wurden mit den Schüler*innen erarbeitet. Beispielsweise über die Spiele, die sie in der Kindheit gespielt haben oder über persönliche Erfolge in ihrem bisherigen Leben. Darüber hinaus konnten die Schüler*innen Bewerbungsgespräche nachspielen und sich somit schon mal auf ihre Praktikumssuche vorbereiten. Durch die Spielleiter*innen konnte ihnen im Rahmen der Gespräche immer wieder gespiegelt werden, welche Vorteile es hat, mehrere Sprachen zu sprechen. Darüber hinaus wurde individuell im Theaterspiel auf die persönlichen Stärken der jungen Erwachsenen eingegangen. Es wurde deutlich, dass die Teilnehmer*innen ihrer Stärken gar nicht bewusst waren. Zum Beispiel, dass jemand, der im Verein Fußball spielt, im Training auch seine Teamfähigkeit unter Beweis stellt oder dass jemand, der regelmäßig auf seine kleinen Geschwister aufpasst, verantwortungsbewusst sein muss.

Eine begeisterte Schülerin gab dem Team das Feedback, sie möge das Theater, denn hier lernt sie nicht nur Deutsch zu lesen und zu schreiben, sondern auch zu sprechen. Nur die Probenzeit sei ihr zu kurz. Gerne wolle sie noch mehr üben.

Im Dezember ist eine schulinterne Vorführung geplant, in der die Schüler*innen präsentieren können, was sie erarbeitet haben.


Nachhaltigkeit


Das Projekt soll auch im nächsten Jahr weitergeführt werden. Die Beantragung von neuen Fördergeldern läuft aktuell.


Ansprechpartnerin: Maria Mock und Lisa Herbst

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